Wie Paris Hilton eine Freundin sucht …

… und dabei die Schöne Neue Welt einer zentralisierten Marktwirtschaft in bonbon-bunt malt.


Gestern auf MTV entdeckt, tolle Sendung, ähem: 5 „Girls“ (Zitat) wollen Paris Hiltons neue BFF (=Best Friend Forwever) werden, wobei BFF nicht nur über den Vergänglichkeitsgrad von Freundschaft schmälich hinwegtäuscht, nein: Vor allem wird suggeriert, die Ware, hier das was das „It-Girl im Wartestand“ mitbringt um sich interessant zu machen, sei das Wahre… enschuldigt den Kalauer … sei für die Ewigkeit bestimmt…


Und um die Ware, genauer gesagt um ihr Prinzip, die Vergleichbarkeit des Besondern übers Allgemeine,geht es letztlich. Auch wenn, und gerade weil die Show so herrlich unreflektiert daherkommt; und statt Ideologie zu vermitteln viel mehr sich selbst Ideologie ist.


Aber zur Show, zuerst: Zum allgemeinen Konzept wurde oben alles gesagt. Komplizierter wird es nicht. Um Paris´ BFF zu werden, haben junge Damen verschiedene Aufgaben zu erfüllen für die sie dann ganz nach Gusto des großen Vorbilds willkürlich bewertet werden.


Nicht objektive, vorher festgelegte Kriterien bilden den Rahmen des Handelns der Wettbewerberinnen, sondern allein der erst unmittelbar im Vergleich realisierte Erfolg. Die Mittel diesen zu erreichen müssen also aus der Abschätzung des möglichen Erfolges abgeleitet werden.


Was kompliziert klingt – so gar nicht MTV – sei anhand eines simplen Bespieles erläutert:

Die Aufgabe der von mir gesehenen Folge lautete in etwa so: „Paris will sehen, was ihr date-mäßig so drauf habt, also schleppt für morgen mal so viele Kerle vie möglich an. Die die nach Paris Ansicht am schlechtesten abgeschnitten hat, fliegt raus“.


You see? I bet you don´t, really. Im allgemeinen könnte man sagen, Paris New Best Friend sei einfach ein Spiegel der Gesellschaft Denn: Tatsächlich propagiert die Show an der Oberfläche die rein kapitalistische Notwendigkeit der Ausdehnung des Wettkampfes auf alle Lebensbereiche. In der Tradition anderer lustvoller medialer Offenlegung eben dieser Entwicklung, die totale Nutzbarmachung durch die bewusste Ausdehnung auf Sphären des Genusses und der scheinbaren Wertfreiheit idealistisch zu verklären, wäre auch Paris Hiltons Format zu sehen. Darüber hinaus gibt die Show im Gegensatz etwa zu Sportveranstaltungen und Talentshows relativ offenherzig zu, dass Menschen nicht durch eine ihnen inhärente Fähigkeit objektiv vergleichbar sind (Talent, etc…), sondern nur über die von ihnen produzierten oder angeeigneten Waren, hier: Typen.*


Soweit so gut. Darüber hinaus allerdings fehlt das Allgemeine Äquivalent (denn um den Tauschwert der Typen geht es, nicht um den Gebrauchswert, was schon daran deutlich wird das eins der Mädchen, das anfängt mit „ihrem“ Kerl rumzuknutschen, ermahnt wird: „Its not that kind of a show“), mihin es fehlt das Geld als vermittelndes zwischen den Werten. Anstelle des so sehr auch immer pervertierten, hinter der Vergesellschaftung über den Wahrentausch noch erahnbaren Ideals einer universellen Gesellschaft tritt als wertbestimmendes Besonderes das Urteil von Miss Hilton.

Dadurch, dass kein vermittelndes mehr existiert, wird abstrakte Gewalt konkret, der Spielraum, in dem Freiheit möglich wird, verdichtet sich zur gunstabhängigen Zweckrelation.


–> Paris New BFF propagiert daher die Unterwerfung des frei gedachten Marktes unter die Bedürfnisse von Racket- und absoluter Herrschaft. Das tut es nicht aus sich heraus, sondern im naiven Glauben daran, dass die Gültigkeit des Wertgesetzes seine Vernünftigkeit beweise. Dass der schon antizipierte Umschlag in die Barbarei sich hier vorerst auf die Frage beschränken wird, wer für die nächsten paar Wochen mit einem vielleicht nur mäßig interessanten Despoten Champagner schlürfen und auf Parties gehen darf, ist vielleicht dem nur mäßigen Interesse, das Paris Hilton bis jetzt für Realpolitik gezeigt hat geschuldet ;-)… Viel eher aber wohl der befreienden Kraft eines Egoismus, der auch in PNBFF in den Zielen der Protagonistinnen noch immer ein utopistisches „Her mit dem Schönen Leben“ aufscheinen lässt, so sehr das auch durch die Handlungen entstellt sein mag.

Damit steht dieser, wie der meiste „Schund“, den MTV&Co produzieren noch weit über jenen pädagogischen Programmen, die vom „Bacherlor Tagebuch“ der Zeit bis zur „Super Nanny“ nichts mehr zu versprechen wagen, als dass der Unterwürfige eine Chance bekommt, sein erbärmliches Dasein ohne all zu große Gängelungen bis zum Ende zu existieren…

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge



* Und gleichzeitig, aber das hier nur nebenbei, offenbart die Inseznierung der „Typen“ als Ware nichts anderes, als dass wo schon in der Produktionssphäre ein Feminismus der die materialistische Kritik von sich weißt, noch hinter das „Gute Leben“ von It-Girls und Sunnyboys zurückfällt, auch auf der als „Objektivierung“ diskurstheroetisch verklärten Zirkulationsebene gleiches zu konstantieren ist: Das einzig erreichbare Ziel ist die bessere Vernutzung … ein noh nichtmal abzulehnendes Ziel als solches, doch wird es ja oft als Aporie angesehen, einerseit die Teilhabe gegen vormoderne Rollenteilung zu verteidigen und andererseits radikale Kritik zu betreiben…

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