Michels lustige Streiche…

Sich der Aufklärung verpflichtet fühlende Kritiker verwerfen Foucaults Selbsterkenntnis zur Frankfurter Schule, hätte er ihr Bücher früher gelesen: “…hätte ich eine Menge Dinge nicht sagen müssen, und mir wären Irrtümer erspart geblieben”, als Lippenbekenntnis,vorschnell mit Verweis auf die Unhaltbarkeit einer darin impliziert behaupteten Nähe Foucaults zur kritischen Theorie… Und tatsächlich findet Foucault im Gespräch mit Ducio Trombadori 1980 schnell zurück zum ihm so eigenen, begrifflich verwirrten Relativismus:

“Gewiss gibt es Differenzierungen. Schematisch und vorläufig könnte man behaupten, daß die Konzeption des Subjekts, welche die Frankfurter Schule vertrat, eine ziemlich traditionelle, ihrem Wesen nach philosophische war; sie war weitgehend geprägt vom marxistischen Humanismus … Ich glaube nicht, daß die Frankfurter Schule zugeben könnte, daß wir nicht unsere verlorene Identität wiederzufinden, unsere gefangene Natur zu befreien, unsere fundamentale Wahrheit herauszustellen haben, sondern vielmehr auf etwas ganz anderes zugehen müssen“.

Dass es Kritischer Theorie nicht um die Wiederherstellung der Identität geht, sondern vielmehr um die Reflexion auf die Unmöglichkeit einer Identität im Konkreten, welche das begriffliche Denken im Abstrakten ja behaupten muss, will in den sich dekonstruierend dekonstruierenden Verstand nicht hinein. Dialektik ist dem, der um archäologisch “Zustände”, “Verflechtungen”, mithin: subjektlose Diskurse zu rekonstruieren, den historischen Prozess ausklammern muss, nicht nur Suspekt, sondern gar nicht zu erschließen. Das ganz andere bleibt dann als Angriff auf die aufklärerische Vernunft, den Foucault nur meinen kann, wenn er von Anknüpfungspunkten an die Frankfurter Schule spricht. Was weichen muss ist die Reflexion auf deren barbarisches Moment zur Rettung des aufklärerischen Ideals, stattdessen wird das aufklärerische Ideal bei Seite gewicht, die „essentialistische Subjektkonzeption“, also die Freiheit, „Ich“ zu sagen,  ad acta gelegt.

Damit, dass sie seine Anmaßung eine Weiterführung kritischer Theorie sein zu können, ja, sogar deren konsequente Realisierung im Prinzip der abstrakten Negation (die eigentlich seit Hegels Abrechnung mit dem Skeptizismus philosophisch erledigt sein sollte) einfach bei Seite wischt, tut die Kritik Herrn Foucault jedoch unrecht. Im besten Sinne der so genannten “Postmoderne” sollte sie sich vielleicht stattdessen bemühen, die Narrative der Foucaultschen Selbstermächtigung neu zu lesen (re-reading), um sie, etwa folgendermaßen, sinnstiftend umzuformulieren:

“Hätte der kleine Michel sich früher mit der Frankfurter Schule auseinander gesetzt, hätte er eine Menge Dinge nicht sagen müssen, und der Welt wären vielleicht ein paar Irrtümer erspart geblieben, so auch die Verteidigung jener unbedeutenden praktische Realisierung des Foucaultschen Programms der “Antipolitik” als das ganz andere des aufklärerischen Projektes…

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