Heute im Radio

I  Hm Hm Hm: Wie Nichts Gemeinschaft stiftet

Lieder, die das Radio spielt, unterscheiden sich höchstens in Nuancen. Kaum scheint man noch darauf abzuzielen, den einzelnen Hörern ihre Besonderheit unter den formal „Gleichen“ zu suggerieren, Musik ist (fast) nicht mehr Ware, hat sich um Distinktion im hartumkämpften Markt nicht zu kümmern, sondern dient, wie ein hessischer Sender offensiv wirbt, der Reproduktion von Arbeitskraft (d.h. der Entspannung im Job).
Übers Radio ist in Marit Larsens „if a song could get me you“, daher tatsächlich die ganze Wahrheit enthalten, ungeschminkt und belanglos: „I could try you with a waltz / I could try you rock and roll / I could try you with the blues / if a song would do“. Egal, egal, ganz egal. Wenn nur ein Effekt erzielt wird, der hier immerhin, da fällt Larsen altmodisch ins persönliche zurück, eine erfüllte Liebe ist, und nicht das zu  erfüllende Monatssoll, s.o..
Herzen aber werden nicht durch Musik erobert, das verrät sich schon im selbstkritischen „if“ des Titels. Auch der Refrain spricht es ständig aus: Das Unterfangen Kunst noch einen zielgerichteten Zweck abgewinnen zu wollen, ist hoffnungslos. Und mal ganz ehrlich, seit Sartre sich über das mangelnde Engagement der Kunst ausheulte, und wir erfuhren, dass Engagement solches zur Kunst adelt ist Zwecklosigkeit nicht der schlimmste Vorwurf der Kunst treffen kann. Ja, achtete irgend ein Hörer, irgend eine Hörerin beim Mitsummen auf Kleinigkeiten (allerdings begünstigt die Eingängigkeit einer Meldodie, wie hier gegeben, natürlich textfernes  Hören) , es wäre Marit Larsen doch zumindest ob einer gewissen Schonungslosigkeit zu gratulieren: Lässig erledigt sie was an Romantik noch die verwaltete Welt verklärt.
Doch wir hören nicht hin, wir summen mit: Daher ist Hm-Hm-Hm-Hm der perfekte Refrain.

6 thoughts on “Heute im Radio

  1. Also sagen sie mal, kann mensch das nicht so ausdrücken das es auch verständlich ist Oder hat es was mit Ego zu tun, sich intellektuell zu verklausulieren?

  2. Ego? Intellektuel? Verklausulieren?
    Wolltest Du/ wollten Sie nicht sagen: Hat es etwas mit dem Ich-Bewusstsein sich hinter vergeistigter Sprache zu verstecken? Man sieht, auch die (beabsichtigt?) „intellektuel verklausulierte“ Frage lässt sich nur in „einfaches“ Deutsch übersetzen, wenn den Begriffen „intellektuel“ und „Ego“ Gewalt angetan wird.
    Im Übrigen interessiert es einen feuchten Kehricht, was jemand hören/lesen will. Analyse und Kritik wären dann so demokratisch wie nichtig. Pop für sich muss dabei niemandem verlitten werden, auf die Funktion allerdings in der Gesellschaft soll reflektiert werden.
    Ansonsten: Drei Kommentare! Der aufgeregte Verfasser / die Verfasserin atmet noch nichtmal durch, um den Abwehrreflex in Kritik, die den Namen verdient umzuformen. Vielleicht doch den antiintelektuellen Beisreflex des Mitmach-Bürgers getroffen?

  3. Antiintellektuell ist das ganz bestimmt nicht gemeint. Beißreflex jedoch vielleicht einwenig. Wenn der Intellektualität der Bezug zu den bestehenenden Verhältnissen abhanden kommt, dann degeneriert sie von einer Avantgarde zur Elite. Pop macht müde und müde Füsse laufen wohin auch immer man es ihnen sagt. Darüber müssen wir uns streiten. Zumindest wenn wir irgendwo hin wollen.

    Multiple Postings haben übrigens eher was mit der Funktionsbelegung der Entertaste zu tun als mit irgendeiner inhaltlichen Ausrichtung.

    Ich drücke jetzt mal „Enter“.

  4. Antworten wir nochmal, mit Verspätung. Avantgarde behauptet, notwendig voran zu gehen, Elite, überlegen zu sein. Elite ist nur insofern relevant, als dass die Überlegenheit materiell begründet ist, Avatngarde insofern, als dass sie behauptet zu wissen, was kommen muss. Beides sind Machtverhätnisse, hier nicht gegeben. Avatngarde würde ja auch zumindest implizieren, auf ein baldiges ravolutionäres Subjekt zu hoffen. Was bleibt also? Bezug zum Gegensatnd / zu den Verhältnissen. Gegenstand / Verhältnisse ist hier das Radioprogramm eines vielleicht doch nicht so exemplarischen Senders, da will ich nicht absolut werden, Illustriert anhand eines Liedes. Gegenstand, zu dem Bwezug genommen werden soll ist sichernicht der/die Rezipientian, als Agitationsvieh… Wäre also der verfehlte Bezug zum Gegenstand nachzuweisen. Uverständlichkeit aufgrund von Fremdworten sollte eigentlich nicht gegeben sein, nochmal gecheckt fallen mit „suggerieren“ und „Distinktion“ als die undeutschesten Ausdrücke auf. Auch die Satzstruktur stimmt. Angriffe hätte ich vor allem hier erwartet: „Musik ist (fast) nicht mehr Ware“, was natürlich Hörerzentriert und Radio-on-the-way-to-work (ja, das ist ein Wort), only ist. Aber das Selbstverständnis wird immer wieder bestätigt, z.b. zulezt: „Bon Jovi, das ist Zucker bei der Arbeit“. Und was wäre noch bessers vorzustellen für den modernen Menschen, als zu arbeiten (das ist gut), und dabei von Bonjovi (besser) berieselt zu werden?

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