Zisch!

Das größte, was sich die Science-Fiction für die Zukunft zu erhoffen vermag, ist anscheinend die universelle Installation von Schiebetüren. Die „transuniverselle“, gewissermaßen, denn nicht nur jedes Raumschiff, jede Station, jeder Haushalt noch des Universums soll mit Schiebtüren ausgestattet werden. Nein, in der Bewertung der Schiebetür (wie auch in den Erwartungshaltungen an andere ähnliche Funktionale Gegenstände des täglichen Lebens) stimmen die verschiedenen Science Fiction Universen im großen und Ganzen überein.

Dazu stellt Karin Lederer in „Zum aktuellen Stand des Immergleichen“ fest: „Trotz der unbegrenzten Möglichkeiten, welche die Science fiction … strukturell bietet, bleiben die meisten AutorInnen stillschweigend dem eigenen System verhaftet“.

Dem eigenen System, das nur in technischen Belangen modernisiert wird. Hier unterscheiden sich jenseits aller wissenschaftlichen Debatten über die historische Genes der Genres Science Fiction und Utopie fundamental. „Wenn in SF schonmal von Utopischen Zuständen die rede ist, sind politische Zustände gerade nicht gemeint, die hier allenfalls zum farbenprächtigen Ornament taugen; gefragt ist statt dessen ein elektrifiziertes Schlaraffenland mit regem Wissenschaftsbetrieb“. Wissenschaft im Sinne technischen Fortschritts, Fortschritt als Ziel ohne Inhalt. Die Schiebetür als alltägliches, überall implementierte Errungenschaft, nein, nicht errungenschaft, sondern selbst schon wieder als Mittel desselben!? Verkürzung der Wege, damit was Mensch schon immer tat noch schneller geht…

Ist die Schiebetür also ein Zeichen dichterischer Einfallslosigkeit in der Science-Fiction? Mitnichten: Sie ist die logische Konsequenz einer Literatur, die die Gesellschaft fortschreibt, ohne eine Veränderung der ihr zu Grunde liegenden Annahmen überhaupt noch denken zu können/wollen. Dass auf Raumschiffen Schiebtüren etwa statt langsamen, viel Raum einnehmenden Drehtüren installiert sind ist geschenkt, der Zwang des Genres ist ein zwang zur Vernunft, zur praktischen Vernunft. Dass allerdings außer solchen technischen Neuerungen dem Gross der SF-Autoren wenig einfällt, um die „andere Gesellschaft“, die zu beschreiben noch immer gerne behauptet wird, von „unsrer“ abzugrenzen, verweist auf die grundsätzliche Verabsolutierung des praktisch orientierten Vernunftbegriffs.

Jener Vernunft, die klassifizierend voranschreitet, ohne auf ihre Voraussetzungen zu reflektieren.  Die die Verhältnisse nimmt, wie sie sind, die zweite Natur als erste. Die so die Zukunft schließlich nur als effizienteren Wiedergänger des immergleichen vorzustellen vermag.

Literatur: Lederer, Karin (2008): Zum aktuellen Stand des Immergleichen. Dialektik der Kulturindustrie – vom Tatort zur Matrix. Verbrecherverlag: Berlin.

Hallenberger, Gerd: (1986) Macht und Herrschaft in den Welten der Science Fiction: Die politische Seite der SF. Eine inhaltsanalytische Bestandaufnahme.

Nieden, Andra zur (2003): Geborgte Idenität: Die kulturindustrielle Verwertung des technologisierten Subjekts. Ca Ira: Freiburg 2003.

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