Harold Pinter – Absurd ist nur der Akadamiker

Den Kampf um Dominanz von Personen über Personen in Harold Pinters „Memory Plays“ als Fortführung und Vertiefung der in den „Commedy of Manners“ thematisierten Kämpfen und Verwerfungen zu präsentieren, ist eine essentialistische Vereinfachung die den ewigen Kampf als natürliche Konstante der Menschennatur an den Text heranträgt.  Gerade die materielle Grundlage und der treibende Faktor des Kampfes Einzelne_r gegen Einzelne, der Besitz, der all die scheinbar essentiellen Paradoxa des Pinterschen Werks (Identität/Kontinuität/ Absurdität des Daseins) an eine bestimmte Zeit und eine bestimmte Gesellschaftsform bindet, wird durchgestrichen. Wahrheit hat keinen Zeitkern, Intersubjektive Widersprüche sind nicht in den Beziehungen der Subjekte zueinander und der sie bestimmenden Welt begründet, sondern allein in den „großen Narrativen“,  aus denen Identität angeblich geformt sei. Jene gehören daher, wie es Pinter in seinen Memory Plays unternehme, dekonstruiert, damit zwar nichts anders werde, aber allen geholfen sei.

Kein Wunder, dass diese Lesart als angenehmste sich durchsetzte (man predigt sie an den Universitäten), und sowohl die frühen als auch die späteren, „engagierten“ Stücke Pinters unter sie subsumiert werden. The Room, The Birthday Party sind dann ebenso wie Ashes to Ashes „Theatre of the Absurd“ – leicht konsumerabel und schließlich Nobelpreiswürdig

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