Harry Potter – Eine Notwendige Revision.

Go, Aragog!

„Zwischen den Jahren“ las ich mal wieder ein wenig in meinen alten Harry Potter Romanen, und fand bei folgenden Internet Recherchen hier ein paar recht treffende, vernichtende Kritiken insbesondere des letzten (bzw. der letzten 3 Bände). Auseinander genommen werden der von Rowling betriebene Opferkult, ihre Idealisierung der gerechten Herrschaft und der ambitionslosen Duldung aller Widrigkeiten, und sogar die oft gefeierte komplexe Verflechtung der einzelnen Bände. Gut. Muss ich das nicht mehr machen. Und schlecht, weil meine von früher mitgeschleppte Sichtweise, dass Rowling eine zwar schlecht geschriebene, aber immerhin in Teilen interessante Melange aus Kinderbuch und Kritik der bürgerlichen Gesellschaft verfasst hat (die Spießigkeit der Kleinstadt, die Faschistisierung der wehrhaften Demokratie (Order of the Phoenix & Half Blood Prince), die Zurückweisung der Lüge, das alle kleinen Bullies irgendwann doch noch gute Menschen werden (Malfoy) etc…), wohl endgültig über Bord werfen muss. Selbst die Hoffnung das der unselig süße Schluss mit dem berühmten  „und alles war gut“ als beißende Satire auf den Realzustand (und alles war wie immer, and as we know far from good) zu lesen ist, ist wohl vor dem was ich über Rowlings Kalvinismus gelernt habe nicht zu halten. Sei’s drum, ich will auf meine Kindheitsträume nicht verzichten, was also her muss, ist einfach eine neue Interpretation (so macht man das mit Kunst).

Also: Harry Potter, das ist der Abgesang auf das Menschengeschlecht, welches von einer Idiotie in die Nächste gleitet, welches nicht nur, hat es gerade den einen Rassismus überwunden (gegen Muggel etwa), sich flugs den nächsten ausdenkt (Scheiß Halfbreeds! Scheiß magische Geschöpfe!), nein, auf das Menschengeschlecht, das selbst wenn es zaubern kann die Welt nicht grundlegend umkrempelt, sondern noch immer durch die Bank weg bereit ist zu Arbeiten, zu herrschen und sich beherrschen zu lassen,  Waren gegen allgemeines Äquivalent zu tauschen und wenn´s dann daran mal fehlt, alles den Juden (Verzeihung, bei Rowling heißt das „Goblins“) in die Schuhe zu schieben.

Die Menschheit also (so Harry Potter) ist am Ende. Was soll’s. Gibt ja noch andre vernunftbegabte Geschöpfe. Der heimliche Held der Harry Potter Reihe ist die Spinne Aragog. Von Ziehvater Rubeus Hagrid „Hüter der Schlüssel und Ländereien von Hogwarts“ innig geliebt und vorm Tode von der Hand des jungen Lord Voldemort bewahrt, ist Aragog die Spinne, die überlebte. Gegen seine inneren Zwänge emanzipiert er sich vom Menschenfresser zum Bekämpfer des bösen, als Ausgeburt praktischer Vernunft allerdings verachtet er das absolute, das Leere Ideal (MUSS LORD VOLDEMORT TÖTEN. MUSS ES SO TUN WIE DUMBLEDORE GESAGT HAT). Die Bedürfnisse seiner (Art)genossen haben dann ab einem gewissen, schwer abzuwägenden Zeitpunkt Vorrang, den zu setzen Aragog allerdings gar nicht nötig hat, handelt die Kolonie der Spinnen doch nach der Maxime „Jeder nach seinen Möglichkeiten – Jeder nach seinen Bedürfnissen“. Hat Aragog auch für sich entschieden, Menschen als speise nicht anzurühren, weiß er doch dass solch ein konsequenter Antihumanismus zur politischen Maxime nicht taugt. Vorbildlich. Aragog segnet in Harry Potter and the Half Blood Prince schließlich das Zeitliche, und macht auf diese Weise klar, wie wichtig es ist, rechtzeitig und in Würde abzutreten.

Dafür, dass auch JK Rowling die Spinne die überlebte hoch schätzte, sprechen mehrere starke Indizien: 1) Die Beziehung zwischen Hagrid und Aragog ist die einzig lebendige, gefühlvolle. 2) Nach der Rückkehr Voldemorts ist Aragog der einzige, der ein anständiges Begräbnis erhält. 3) An Aragogs Grab finden der Gryffindor „Halfbreed“ Hagrid und der  „reinblütige“ Slytherin Slughorn zusammen. Das ist die angekündigte, und im siebten Teil ausbleibende Vereinigung der Häuser, die zeigen sollte, dass Bosheit nicht im Blut liegt. 4.) Aragog muss Deadly Hallows nicht miterleben!

So. Kindheit gerettet. Übrigens bin ich Rowling dennoch sehr dankbar, dass sie sich entschieden hat eine Laufbahn als Schriftstellerin einzuschlagen. Es mag sie von ihren früheren Plänen abgebracht haben…

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