Frag Mente.

Doch erwarte nicht, das Mente dir antwortet.

1

Auf der Achse des Guten assoziiert Burkhard Müller Ullrich:

„Der flugzeuglose Himmel über uns hat etwas Unheimliches. Es ist nicht so lustig wie autofreier Sonntag in den Lüften. Es erinnert eher an 9/11, als für ein paar Tage alle transatlantischen Verbindungen gekappt waren. Damals waren wir auch gezwungen, unser psychogeographisches Weltbild zu revidieren.“ So überraschend auf den ersten, so treffend scheint auf den zweiten Blick die gezogene Verbindung. Jeweils Katastrophenstimmung, jeweils dieses Gefühl der Machtlosigkeit. Was auch immer geschieht, den obschon vielfach in soziale Netzwerke eingebundenen Bürger, jederzeit potentiel gegen jeden kämpfend, trifft der persönliche wie der gesellschaftliche „Setback“, wie eine Rache der Natur. So war es nach 9/11 bald klar: „Das hat man sich selbst eingebrockt“, und so ist es heute: Man sollte der Technik, die angesichts mancher Umstände sich machtlos erweist, eben nicht blind vertrauen.

Es nimmt der Geschädigte die Verantwortung (mal als Mensch, mal als Westeuropäer), radikal auf sich, und externalisiert sie zugleich, menschliches Handeln wiedrum durchstreichend. Dabei hebt das Flugzeug ohne Handelnde und Entscheidende überhaupt nicht vom Boden ab, sei es, um Aschewolken zu trotzen, oder sei es, um den „großen Satan“ vom Thron zu stürzen. Die Kontrolle am eigenen Sein abgeben, um den Schein zu wahren man habe noch alles unter Kontrolle: In solch vulgären Materialismus flüchten sich dieser Tage die ich-schwachen Verfallsprodukte des bürgerlichen Selbstverständnis.

2

In Irmtraut Morgners Gauklerlegende sucht ein „Hubert“ die Spieltheorie als Versuch zu etablieren „zu einer Mathematisierung dialektischer Widersprüche zu gelangen“. Siebenunddreißig Jahre später, in der realen, d.i unserer Welt so wie wir sie gerade sehen, haben sogenannte „neue Atheisten“ zum Einhundertundzweiundvierzigsten Male Gott wiederlegt, und hoffen nun, da Armut, Krieg und Religiösität immerhin in notwendigem Zusammenhang stünden, dass bald eine bessere Zeit anbrechen möge.

Den Gaukler Rade allerding interessiert der mathematisierte Widerspruch wenig, da der Widerspruch erstens nicht abgeschafft ist (etwa der steigende Zwang zur Lohnarbeit bei entweder: Ausschluss vieler von den Mitteln Reichtum zu erlangen, oder: Gleichheit der Malochenden im relativen Elend), und Rade als Dieb und Schwindler sich zweitens ihm dennoch längst entzogen hat. Ebenso erkennt der Gläubige, man kann es ihm hundertmal vorpredigen, einfach nicht an dass es nicht an der Wissenschaft sei, Gott zu widerlegen, sondern an ihm, Gott zu beweisen, und zudem habe Gott den Beweis seiner Selbst in der Offenbarung an den Gläubigen ja doch längst angetreten.

Und wer das nicht einsieht, den wird alle Wissenschaft der Welt vor der Hölle nicht retten…

3

Mechanische Verallgemeinerung: Daran krankt auch Burkhard Müller-Ullrichs Beitrag zur „Psychogeografische Wirkungen von Vulkanasche“ zuletzt:

„Die moderne europäische Selbstverständlichkeit“, so führt er die Revision des Weltbildes (s.o.) weiter aus, „ungefähr zehn Stunden von New York entfernt zu sein, bekam einen jähen Riß“. Als veralgemeinerbar hypostasiert wird ein Blick auf die Welt, wie ihn sich doch nur wenige leisten können. Leisten, tatsächlich – denn die gefühlte Nähe zu New York ist durchaus von Geldbeutel und sozialer Lage abhängig.

Den Meisten dürfte vom 11.9.2001 doch eher die Erfahrung bleiben dass der „Westen“ so unverwundbar nicht ist, und Werte oder Ideale nicht in Stein gemeißelt. In dieser Erfahrung gründet dann auch die naturalistierende Perspektive auf gesellschafliche Ergeignisse, die in der Wahrnehmung Terror und Naturkatastrophe eint: Im Schock darüber, dass Recht auf Gewalt gründet und nicht auf Natur, und in der Verdrängung dieser Wahrheit. Verdrängung, die nur möglich wird wenn das Aussetzen des Rechts als „höhere Gewalt“, also wiederum als Natur gegen Natur gestellt wird.

[hier: Klimawandel Schuld am Vulkanausbruch]

[hier: Chavez: USA verurchsacht Erdbeben auf Haiti]

Ein Himmel ohne Kondesnstreifen interessiert dagegen wenig: Wer zur Zeit zu Fuß unterwegs ist oder im Auto sitzt, wird sich kaum wagen den Kopf all zu weit zu heben. Zu groß die Angst einen Stolperstein zu übersehen, zu aufmüpfig die Geste an sich, die doch auf den abenteuerlichen Entdeckergeist frühbürgerlichen Optimismus´ verweist, wie auch auf das träumerische in die Wolken starren, welches die Kinder sich manchmal vielleicht noch erlauben, bevor sie lernen, ihre Zeit gewinnbringender zu nutzen, ewig sich vor schlechtem Wetter fürchtend.

Epilog:

Один Максим отрицал величие философии марксизма. Однако, когда его вызвали куда надо, отрицал там свое отрицание, убедившись тем самым в справедливости закона отрицания отрицания.

***

Максим презирал безграмотность и невысокие интеллектуальные данные своего друга Федора, и любил подчеркнуть, что они друг с другом полная противоположность. Нередко на этои почве между ними разворачивалась ругань и даже драка. Как-то раз, крепко вломив Федору, Максим с удовлетворением отметил, что овладел законом единства и борьбы противоположностей.

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