Something Bullshit this day comes…

Three Strikes:

i) – Äquidistant wider die Vernunft:

Oft bezieht man Stellung, gerade dadurch, dass man nicht Stellung bezieht. Angesichts der der Morddrohungen gegen alle an der Serie Southpark Beteiligten sieht sich die Jungle World zu folgender Kurznachricht veranlasst:

„Und schon wieder eine Cartoon-Islamisten-Debatte. In der 200. Episode der mäßig witzigen Serie »South Park« tritt auch Mohammed, der Prophet, auf. Er trägt ein Bärenkostüm, was dem Umstand geschuldet ist, dass man sich selbst bei dieser ach so unkorrekten Serie nicht mehr traut, das islamische Darstellungsverbot Mohammeds zu ignorieren. Nun wird den Machern von »South Park« trotzdem von diversen islamistischen Gruppen mit dem Tod gedroht. Das übliche halt“.

Da muss, ehe „das übliche“ lakonisch hingenommen werden kann, Southpark als mäßig witzig trivialisiert werden, die aggressive Auseinandersetzung mit dem Bilderverbot zum „sich nicht mehr trauen“, umgelogen, und vorherige „Unkorrektheiten“, die längst ausnahmslos alle halbwegs relevanten religiösen sowie diverse andere mehr oder weniger dankbare Ziele anvisiert haben dürften, als konformistisch gebrandmarkt,  ehe auch den Morddrohungen noch ein Nebensatz eingeräumt wird. Was doch sehr an den Selektionismus gemahnt, mit dem Grass und andre Sozis und Bauchlinke Westergard dem gerechten Zorn der Islamisten ausliefern wollten, während ihnen Rushdie als großer Künstler weiter geschützt gehört, ist hoffentlich nur ein misslungener rhetorischer Kniff, der drauf abzielte, mittels Trivialisierung mörderische Wut um so grotesker erscheinen zu lassen.

[mehr hier in den comments]

ii) – Eine Frage der Rhetorik

Titelt Zeit Online. Und weiter: „Die Universität Tübingen streitet über die Neubesetzung des Lehrstuhls für Rhetorik. Diskutiert wird über Formalitäten, tatsächlich geht es aber auch um Inhalte“.

Wahrhaftig. Gehen sollte es natürlich genauer um die Form, mittels derer ein beliebiger Sachverhalt am besten wiedergegeben/diskutiert werden kann; bzw. eine Argumentation entfaltet, ein Standpunkt verteidigt.

Und da es nur auf die Form ankommt (moderne Debatierclubs belegen das; alles ist diskutabel[1][2]), ist klar: Wenn über Formalitäten diskutiert wird, es aber auch auf Inhalte ankommt, so ist der Inhalt der rein formal diskutiert wird die Form, nach der ein beliebiger Inhalt präsentiert wird.

Warum ist mir das so viele Worte wert? Der Zerstreuung wegen. Die Zeit widmete dem Klimbim nen ganzen Artikel.

iii) – Endlösung.

Zuletzt: Künstler haben Israel von der Landkarte getilgt, das Ganze mit „Endlösung“ überschrieben und dann in Berlin plakatiert. Laut eben diesen Künstlern will man damit „eine Diskussion über die aggressive und negative Haltung Israels im Nahen Osten anregen“. Hmm. Bisher haben alle Kritiker und Kommentatoren ihre Interpretation der Kunstwerke an die der Künstler angepasst, was angesichts von Umfragen aus den letzten Jahren, nachdem der Großteil der Deutschen Israel als die größte Gefahr für den Weltfrieden ausmacht, vielleicht auch notwendig ist. Als ich von der Aktion das erste Mal hörte, da noch ohne Erklärungen, dachte ich mich eher einer sehr realistischen, wenn auch vielleicht nicht äußerst kreativen Auslegung u.a. der Hamas-Charta gegenüber:

„Israel will rise and will remain erect until Islam eliminates it as it had eliminated its predecessors“.

Aber nun gut. Vielleicht betrachte ich die Karte, auf der unter der Überschrift „Endlösung“ ein Ramallah betitelter Landstrich Israel ersetzt hat, auch aus der falschen Perspektive… Vielleicht sind die Künstler aber auch einfach Idioten.

P.S.: Wer möchte darf dann auch gerne im obigen Text überall dort, wo „Künstler“ steht, „Idioten“ einsetzen.


[1] MeinE Bruder/Schwester etwa erzählte mir einmal allen Ernstes, über das Für und Wider von Vogelnestern diskutiert zu haben. Leider erinnerte er/sie sich nicht mehr an die Perspektive, aus der das Thema betrachtet wurde

[2] Übrigens sind Debatierclubs durchaus eine gute Vorbereitung für die politische Laufbahn, die „Wirtschaft“, und den ganzen Rest. Denn gerade der inhaltliche Relativismus, die Meinungs-Freiheit, d.i. die Freiheit der Meinung wie auch die Freiheit von bindender Meinung sind ja genau das Demokratische Prinzip, nachdem ungeachtet aller Prinzipien auf dem politischen Markt die Angebote zirkulieren, die ebenso wie Zucker, Kondome oder automatische Waffen sich pragmatisch am Gewinn orientierten. Das ist auch der Grund, warum sich Liberale, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlen (meistens sind das positivistische Aufklärer) nur lächerlich machen können. Denn lohnt sich Gott, Esoterik, Vaterland, so wird der Markt es gegen den aufgeklärten Zeitgenossen durchsetzen.


One thought on “Something Bullshit this day comes…

  1. Mein Mailserver streikt gerade – daher auf diesem Weg die Information an Sören:

    Ich trampe jetzt demnächst mal los – ich hab mein Telefon dabei (0177 299 6010), da kannst du mir gern eine Kontaktnummer drauf durchgeben.

    Ist keine ganz günstige Strecke und, naja, das Wetter mal wieder. Aber irgendwann bin ich wohl da.

    —Kulla

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