Fragmente rund um den Idealismus

Philosophische Arroganz.

„Niemand [ist] heute mehr so unschuldig, noch in der Art des Descartes das Subject „ich“ als Bedingung von „denke“ zu setzen; vielmehr ist durch die sekptische Bewegung der neueren Philosophie die Umkehrung – nämlich das Denken als Ursache und Bedingung sowohl von „Subject“ wie von „Object“ (…) uns glaubwürdiger geworden: was vielleicht nur die umgekehrte Art des Irrtums ist“.[1]

So aus Nietzsches Nachlass. Die Universalität des Irrtums erkennen, und nicht nach deren Ursachen forschen, dass ist die philosophiesche Arroganz, die den Menschen unterm Rad falscher Verhältnisse gern geknechtet sieht, findet sich nur alle Jahre ein neue Perspektive, die Knechtschaft zu verklären.

Wille zur Ohnmacht:

„Indem man vom Menschen ausgeht, anstatt wie einst vom Gott, übersieht man fast unwillkührlich, dass das eigentliche religiöse Phänomen in der That erst gegeben ist in der Rückwirkung einer, gleichviel wie entstandenen, Gottheit auf den an sie glaubenden Menschen“[2]

Gleichviel wie entstanden. Hier wird das Wahre gesagt, dass die Menschliche Vorstellung von Gott unleugbar, mag der Einzelne, als Atheist etwa,  sich auch keinen Gott vorstellen, über jeden Menschen der Teil einer bestimmten gesellschaftlichen Formation ist, Macht ausübt. Das religiöse Phänomen ist objektiv. Die Entstehung der Gottesvorstellung schulterzuckend im unbestimmten gleichviel wie zu belassen, anstatt auf ihre Gesellschaftlichen Wurzeln zu gehen, charakterisiert den modernen Willen zur Ohnmacht.

Tod des Subjekts. Untotes Fortwesen der Warenmonade.

Wer über den „Tod des Autors“ schreibt (oder sich artverwandter Formulierungen bedient)[3] und gleichzeitig eifrig Plagiate bekämpft, Gagen ansammelt, und Nachts das Haus abschließt aus Angst vor Einbrechern, scheint Manchem vielleicht inkonsequent zu handeln. Tatsächlich beweist er nur , dass wo die kritische Vernunft nicht Willens ist, die Gesellschaft auf ihre schlechte (kapitalistische) Einrichtung hin zu durchdringen, ein wenig praktische Vernunft genügt, um gar nicht so unbequem in selbiger fortzuexistieren.


[1] Nietzsche, Friedrich. Nachgelassene Werke. Unveröffentlichtes aus der Umwertungszeit 1882/83 -1888. Naumann: Leipzig 1903.

[2] Lou Andreas-Salomé – Jesus der Jude. Essay. In: Neue Rundschau (Freie Bühne), VII. Jahrgang, Erstes und zweites Quartal, S. Fischer Verlag, Berlin, 1896, S. 342-351. Dazu Peter Por: „Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass dieser Satz Rilke für sein ganzes Werk geprägt hat.

[3] Die Üblichen Verdächtigen also, denen nicht einmal mehr philosophische Arroganz vorzuwerfen ist. Das oben konstatierte Umwandeln des Subjektiidealismus in Objektiidealismus, d.i. Diskurstheorie, erkennen sie gar nicht mehr als die Wiederholung eines Fehlers unter anderen Vorzeichen.

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