Gott und ein Stein

Heute habe ich auf einem Blog (mal wieder) folgende Aussage gelesen (sinngemäß zitiert): „Wenn jemand einem falschen Glauben anhängt, heißt das ja nicht, dass seine wissenschaftlichen Ergebnis falsch sind. Auch Einsteins Relativitätstheorie wird nicht falsch dadurch, dass er dennoch davon überzeugt war, dass Gott nicht würfele“.

So richtig die These ist, so ungeeignet ist das Beispiel. Und das aus mehreren Gründen.

Erstens: verlangt die Relativitätstheorie als Theorie der großen Zusammenhänge nicht nach einem würfelnden Gott (= Zufall). Die Relativitätstheorie sagt nicht „alles ist relativ“, sie bestimmt die Relationen. Relativität ist berechenbar.

Zweitens, oder Erstens B: wurde die Aussage dass Gott nicht würfele meines Wissens nicht bezüglich der Relativitätstheorie sondern mit Bezug auf die Anfänge der Quantenmechanik getroffen.

Drittens: Soll das Beispiel Einsteins wohl verdeutlichen, dass auch jemand der fälschlicherweise an Gott glaubt vernünftige Physik betreiben kann. Es ist fraglich ob hier Einsteins Einwand gegen den Zufall richtig verstanden wurde. Denn wo der Zufall ausgeschlossen ist (wovon Einstein, wenn er sagt Gott würfele nicht, ausgeht), ist tatsächlich kein Platz für einen (allmächtigen) Gott, der in einem Universum ja dann innerhalb von Raum und Zeit Jahr an dessen Gesetze gebunden wäre. (es sei denn man beschriebe Allmacht als: „kann am Anfang festlegen wie alles laufen soll und schaut dann zu“)

Gott wäre vielmehr ein Bild für das Allgemeine, den unverrückbaren Zusammenhang des Ganzen.
Wo dagegen der Zufall regiert bleibt unendlich viel Platz für die Willkür des allmächtigen.

Also: die Überzeugung dass Gott nicht würfelt ist Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnis, sie ist konsequent, wo man daran interessiert ist das Allgemeine zu erkennen. Ob man dieses Allgemeine dann Gott nennt, Universum, oder anderswie. Dass das Beispiel Einsteins so gerne angeführt wird um das Spannungsfeld von Glauben und Wissenschaft zu diskutieren, zeugt von Ignoranz gegenüber den Prämissen, die empirischer Wissenschaft zu Grunde liegen müssen, ebenso wie von der Unfähigkeit, sich einen konsistenten Begriffs von „Gott“ und allgemeinen Sinnzusammenhängen zu machen. Beides hängt zusammen und ist wiederum kein Zufall. Weder gesteht man sich heutzutage gerne ein, dass auch der Empirismus Axiome kennt, die nicht experimentell bewiesen werden können, noch fördert die Reduktion von Erkenntnis auf ein in einigen hochspezialisierten Teilbereichen angewandtes Trial-and-Error Verfahren das Denken in größeren Zusammenhängen.

Auch das redlichste Erkenntnisinteresse gebiert unsägliche Dummheit, wenn auf die Grundlagen des Denkens nicht reflektiert wird.

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