Heideggers Nationalsozialismus im Lichte seiner Philosophie I

Nach Adorno, Dornis, und Faye. Eine Handreichung.

Einleitendes:

Wie kaum eine andere Philosophie hat ausgerechnet die Martin Heideggers ihren Siegeszug in der westlichen Welt angetreten. Ihrer bedienen sich deutsche Revanchisten ebenso wie der französische Poststrukturalismus, insbesondere Jacques Derrida, und der daran anschließende Feminismus in der Tradition Judith Butlers. Das Denken in der Folge Heideggers ist in vielen Universitäten mittlerweile so alternativlos geworden, dass es insbesondere in den Sprach- und Literaturwissenschaft oft unmöglich ist einen Abschluss zu erlangen, ohne zumindest im entsprechenden Jargon zu schwätzen. Die Abschaffung des Subjekts steht überall auf dem Lehrplan, und sie ist genuin faschistisch. Wer aber versucht das offen anzusprechen wird sich unzähligen Relativierungen ausgesetzt finden, die von der Dunkelheit der Sprache dieser Theorierichtung profitieren, und die im besten Fall auf die Trennung zwischen nationalsozialistischen Aktivismus Heideggers und der reinen Lehre andererseits hinauslaufen. Der folgende Text soll als Handreichung dienen, um sowohl den Inneren Zusammenhang zwischen Heideggers Lehre und Nationalsozialismus anhand dessen eigener Aussagen zu belegen, sowie um ein für alle Mal über den selbstgeschaffenen Mythos auch zu klären, Heidegger habe nach seinem Rücktritt vom Freiburger Rektorat mit dem Nationalsozialismus gebrochen. Die folgende Argumentation stützt sich auf Theodor W Adorno, auf eine Ausarbeitung von Martin Dornis, sowie insbesondere auf die Fleißarbeit „Heidegger: die Einführung des Nationalsozialismus in die Philosophie“, von Emmanuel Faye. In diesem trotz seines oft die Sache verfehlenden gegen Heidegger gerichteten Moralismus empfehlenswerten Buch findet sich eine erschöpfende Auswahlvon Zitaten, die den Inneren Zusammenhang der Ontologie Martin Heideggers vor 1933 mit dessen völkischen Denken danach belegen.

(Ein weiterer Text zum Thema: hier)

Um die Textmenge in gewissen Grenzen zu halten, und damit die Leser Zeit haben, sich auf die einzelnen Gedanken einzulassen, wird dieser Text in drei Teilen erscheinen. Der erste heute, der nächste am kommenden Sonntag, der letzte kommenden Mittwoch. Dann wird auch eine PDF mit dem Volltext zum Download bereitstehen.

I

Die Wiederbelebung von Ontologie aus objektivistischer Intention hätte zur Stütze, was ihr freilich am letzten ins Konzept passte: dass das Subjekt in weitem Maße zur Ideologie wurde, den objektiven Funktionszusammenhang der Gesellschaft verdeckend und das Leiden der Subjekte unter ihr beschwichtigend“ (ND74).

So fasst Adorno die crux aller Ontologie zusammen. Das ontologische Bedürfnis erkennt er dabei als Spiegelung des totalen Zusammenhangs der liberalen Gesellschaft: „…was ist, ist relativ auf Anderes, irrelevant an sich selbst“ (ND73).

Konkreter geht diesem Gedanken Martin Dornis nach, er analysiert den Zusammenhang von Heideggers Ontologie in Sein und Zeit mit der Art und Weise, wie der Kapitalismus an seiner Oberfläche erscheint, und hält fest:

Heideggers Entgegenstellen von Sein einerseits und Wert andererseits ist als indirektes konfrontieren von Wert und Tauschwert zu begreifen, wobei der Wert als „Sein“ affirmiert wird, das vom Tauschwert, dem Seienden, nicht verunreinigt werden darf. Was ist immer sich selbst gleich? Was sieht von allem Sinnlichen ab und reduziert die Dinge auf nichts? Heideggers Sein ist der Wert“ (GA147, vgl., auch hier.).

Hieraus könnte man schließen, die Philosophie des Martin Heidegger spiegle in ihren Essentialien unbewusst den Kapitalismus in seiner Reinheit, wäre quasi dessen Metaphysik.

Allerdings belässt es Heidegger nicht dabei das Kapital ins metaphysische zu verbrämen. Er verlangt des weiteren ein sich entwerfen auf den Telos dieses Sein=Wert, auf den Tod, der dem entfalteten Kapitalverhältnis qua überflüssiger Arbeitskraft stets innewohnt. In diesem Entwurf erst nähert sich das Dasein der Eigentlichkeit an. Dazu Adorno:

In der Zwangsläufigkeit der aporetischen Begriffsbildung vollstreckt sich gegen den Willen der Seinsphilosophie an ihr Hegels Urteil übers Sein: es ist ununterscheidbar eins mit dem Nichts, und Heidegger betrog sich keineswegs darüber. Nicht jener Nihilismus aber ist der Existentialontologie vorzuhalten, sondern dass sie die schlechthinnige Nihilität ihres obersten Wortes als Positivum vorträgt “ (ND87, vgl. 119).

Damit ist in der Metaphysik des Kapitalismus bei Heidegger bereits der Faschismus angelegt, und Adorno ist auf der richtigen Spur, wenn er feststellt:

Heidegger ermuntert zu hörigem Denken und lehnt den Gebrauch des Wortes Humanismus, mit der Standardgeste gegen den Markt der öffentlichen Meinung, ab. Er reiht dabei in die Einheitsfront derer sich ein, die gegen die Ismen wettern. Wohl wäre zu fragen, ob er nicht darum bloß das Gerede vom Humanismus, das abscheulich genug ist, abschaffen möchte, weil seine Lehre der Sache ans Leben will“ (ND96).

Adorno nennt das an anderer Stelle die „Abschaffung des Denkens durch das Denken“, vgl.

Denn schon in Sein und Zeit geht Heidegger viel weiter, als Adorno und Dornis wahrhaben möchten. Den Weg zur Eigentlichkeit des Dasein=Mensch versteht Heidegger existentiell als das Erringen der eigenen Geschichtlichkeit. Dies kann nicht der Einzelne leisten, es geschieht im Mit-Sein: Und jenes Mit-Sein ist nach Heidegger ausdrücklich nicht ein Zusammenschluss von Individuen unterm Gesellschaftsvertrag, ein Inklusives Konzept, Mit-Sein ist vielmehr Volk:

Wenn das Dasein vorlaufend den Tod in sich mächtig werden läßt, versteht es sich, frei für ihn, in der eigenen Übermacht seiner endlichen Freiheit, um in dieser, die je nur »ist« im Gewählthaben der Wahl, die Ohnmacht der Überlassenheit an es selbst zu übernehmen und für die Zufälle der erschlossenen Situation hellsichtig zu werden. Wenn aber das schicksalhafte Dasein als In-der-Welt-sein wesenhaft im Mitsein mit Anderen existiert, ist sein Geschehen ein Mitgeschehen und bestimmt als Geschick. Damit bezeichnen wir das Geschehen der Gemeinschaft, des Volkes. Das Geschick setzt sich nicht aus einzelnen Schicksalen zusammen, sowenig als das Miteinandersein als ein Zusammenvorkommen mehrerer Subjekte begriffen werden kann. Im Miteinandersein in derselben Welt und in der Entschlossenheit für bestimmte Möglichkeiten sind die Schicksale im vorhinein schon geleitet. In der Mitteilung und im Kampf wird die Macht des Geschickes erst frei.“ (SuZ 384).

Emanuelle Faye kommentiert das folgendermaßen:

an dieser Stelle … sind die Begriffe die zu den Grundlagen des Nationalsozialismus gehören, bereits gegenwärtig: Schicksalsgemeinschaft und Volksgemeinschaft. Sogar das biologische Motiv wird im Rückgriff auf die Generation im selben Paragraph angedeutet. Heidegger übernimmt das Wort von Dilthey, wo es sowohl eine biologische, als auch eine soziale Bedeutung hat … in diesem Zusammenhang bekommt die Unterscheidung zwischen dem eigentlichen Dasein und dem uneigentlichen „Man“ einen stark diskriminierenden Sinn“ (Faye 33f).

Mit Sein und Zeit derart entschlüsselt lässt sich noch ganz ohne den späteren Heidegger nachvollziehen, warum dieser in den dreißiger Jahren folgendes sagen kann:

die Geschichte lehrt uns, dass Nomaden nicht von der Trostlosigkeit der Wüste und Steppe zu solchen geprägt, sondern dass sie auch vielfach Wüste hinterließen wo sie fruchtbares und kultiviertes Land vorfanden, und dass bodenständige Menschen auch in der Wildnis sich eine Heimat zu schaffen wussten“ (Faye 196).

Und ebenfalls bereits in Sein und Zeit wurde in § 77 jener Bodenständigkeit die Bodenlosigkeit gegenübergestellt, worin Heidegger zustimmend auf den Antisemiten Paul Yorck verweist, (vgl. Faye 28,55):

Die Bodenlosigkeit des Denkens und des Glaubens an solches Denken – erkenntnißtheoretisch betrachtet: ein metaphysisches Verhalten – ist historisches Produkt.« (S. 39.) »Die Wellenschwingungen hervorgerufen durch das exzentrische Princip, welches vor mehr als vierhundert Jahren eine neue Zeit heraufführte, scheinen mir bis zum Äußersten weit und flach geworden zu sein, die Erkenntniß bis zur Aufhebung ihrer selbst fortgeschritten, der Mensch so weit seiner selbst entrückt, daß er seiner nicht mehr ansichtig ist. Der »moderne Mensch« das heißt der Mensch seit der Renaissance ist fertig zum Begraben werden.« (SUZ400).

Wie eng schon damals Heideggers philosophische Rede und seine private politische in den Begriffen miteinander verschweißt waren lässt sich etwa an einem Brief von 1929 ablesen. Darin wird ausgeführt, dass man heute vor der Wahl stehe,

unserem Geistesleben wieder echte bodenständige Kräfte zuzuführen oder es der wachsenden Verjudung im weiteren und engeren Sinne … auszuliefern“ (Faye 55) .

Dieser Antisemitismus ist ein Grundzug im Denken Heideggers, schon 1916 schrieb er in einer privaten Korrespondenz:

Die Verjudung unserer Kultur und Universitäten ist allerdings schreckenerregend und ich meine die deutsche Rasse sollte noch so viel innerer Kraft aufbringen, um in die Höhe zu kommen“ (Faye 444).

Aus der von Adorno kritisierten Wendung von Sein und Eigentlichkeit in etwas Positives, zu Erstrebendes, und dem hier Aufgeführten, ist es nur folgerichtig wenn Heidegger ab 1933 seine Philosophie ganz offen als völkische auftreten lässt. Genauer spezifiziert er nun, wie das Volk zu verstehen sei, und stellt ihm als Sein den Staat zur Seite:

Zunächst stellten wir formal fest, dass das Volk das Seiende ist, das in der Art und Weise des Staates ist, das Staat ist oder sein kann. Formal fragten wir dann weiter: welche Prägung und Gestalt gibt sich das Volk im Staat, der Staat im Volk (…) Die der Ordnung? Das ist so zu allgemein (…) wohl aber trifft eine Ordnung im Sinne von Herrschaft, Rang, Führung und Gefolgschaft die Sache“ ( Faye 160).

Und weiter:

So ist denn auch die Form, die Verfassung des Staates wesentlicher Ausdruck dessen, was das Volk sich als Sinn setzt für das Sein. Die Verfassung ist nicht ein rationaler Vertrag, eine Rechtsordnung, politische Logik oder sonst etwas Beliebiges, Absolutes, sondern Verfassung und Recht sind Verwirklichung unserer Entscheidung zum Staat, sind die faktischen Zeugen für das was wir für unsere geschichtliche, völkische Aufgabe halten und zu leben versuchen“ (Faye184).

Das Volk in Waffen aber benötige die deutsche Sache, jenes sei:

etwas anderes als die bloße Summe der Staatsangehörigen, ja etwas noch stärker Verbindendes sogar als Stammesgemeinschaft und Rasse: Nämlich die Nation, und das heißt eine unter gemeinsamem Schicksal gewordene und innerhalb eines Staates ausgeprägte Seinsart“ (Faye 164).

Faye schlussfolgert treffend:

Wenn die Seinsart der Nation in der Einheit eines Staates ein noch stärkeres Band darstellt als die Einheit des Blutes und der Rasse, so nur weil für Heidegger diese Seinsart die vorausgesetzte Einheit des Blutes und der Rasse umfasst und sich auf sie stützt“ (164).

Ende von Teil 1

Weiterlesen:

Faye, Emanuel. Heidegger: die Einführung des Nationalsozialismus in die Philosophie“, Matthes und Seitz 2008.

Adorno, Theodor W.: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit. Suhrkamp: Frankfurt 2003.

Heidergger, Martin: Sein und Zeit. MAX NIEMEYER VERLAG 1967.

Martin Dornis: Der Meister aus Deutschland. Zur Kritik der Ideologie des Todes. In: Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft. S. 124-155. Ca Ira 2011.

Auch interessant: http://anti.blogsport.de/2013/06/28/doktor-seltsam-oder-wie-peter-sloterdijk-lernte-die-medientheorie-zu-lieben/

14 thoughts on “Heideggers Nationalsozialismus im Lichte seiner Philosophie I

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  4. Bei H. werden von vielen Intellektuellen – wenn auch mit guten Absichten – NSA-Methoden angewendet: mit Computern untersucht man ein 10000 S. Werk nach Nazi-Sprache. Es kommen dann ca. 30 kleinere private Äußerungen u. Textschnipsel heraus, die Begriffe wie „jüdisches Rasseprinzip“, „Führer“, „Blut u. Boden“ „rechenbegabte Juden“ „Volksgemeinschaft“ aufweisen. Diese Stellen kann man dann immer ohne weiteres so interpretieren, dass ein Bezug zur Nazi-Ideologie entsteht. Wenn man Thomas Mann so untersucht, kommt man zum selben Ergebnis, denn die Menschen sprachen damals leider von „Verjudung“, „Rassen“, „Volksgemeinschaft“ wie wir heute von „Amerikanisierung“,. „Ethnien“, „Staatsbürgern“. Für die Kirchen z.B. waren Juden „Gottesmörder“ u. Krieg gegen Kommunismus im Prinzip Christenpflicht.
    Entscheidend ist doch die Frage, ob H. philosophische Theorien über Themen wie den Wert von Menschenrassen, Sozialdarwinismus, biologische Selektion u. Züchtung v. Menschrassen, Blutschande, Herrenvölker u. Sklavenvölker, Lebensraum, Krieg als Daseinsprinzip, usw. propagiert hat. Welche der berühmten sozialdarwinistsischen, antisemitschen Philosophen hat er denn aufgegriffen und weiterentwickelt?
    H. selbst sah sich nämlich nicht als nationaler deutsch-völkischer Philosoph, sondern als Philosoph von Weltgeltung. „Sein u. Zeit“ z.B. erhebt den Anspruch die grundlegenden Strukturen des menschlichen Bewusstseins (Daseins) u. Verstehens freizulegen. Diese Strukturen betreffen jeden Menschen ganz gleich ob Jude, Deutscher, Afrikaner oder Moslem. Heidegger machte da keinen Unterschied.

    • Es sind in den 3 Beiträgen zum Thema hier genügend Aussagen Hs zitiert, in denen er Selbst seine Bedeutung für den NS heraushebt. In denen er Selbst seine frühere Philosophie mit positivem Bezug auf den NS neue kontextualisiert. Unzählige mehr finden sich in der angeführten Literatur. Wer Heidegger vor der völkischen Interpretation retten möchte hat das zu aller erst gegen Heidegger zu leisten. Der würde ihm nämlich was husten. Das Spiegelinterview in dem Heidegger den NS nachträglich noch bagatelisiert ist hier übrigens auch verlinkt.

      • Ich glaube, dass die Intellektuellen, die Heidegger als einen Nazi-Denker sehen, falsch liegen. In ihren guten Absichten sehen sie den Wald vor lauter Bäumen nicht: In den unzähligen untersuchten Details verschwinden die großen Zusammenhänge. Heidegger war noch ein harmloser Konservativer, in einem Land, in dem die Rassen-Ideologie schon in der Schule gepredigt wurde. Dazu folgende grundsätzliche Anmerkungen:

        H.s Philosophie widerspricht in ihrer Grundhaltung der Nazi-Ideologie
        H.s Philosophie denkt die klassische Metaphysik weiter. Diese definierte den Menschen und seine Menschenwürde als vernunft- u. ideenbegabtes Wesen (Platon, Kant u.a.) und untersuchte grundlegende Strukturen des menschlichen Bewusstseins (Sprache, Logik, Ideen, Zeitlichkeit, Verstehen, „Existenzialien“ u.a.). Besonderheiten wie Rasse, Religion und Nation sind in dieser philosophischen Tradition, an die H. anknüpft, irrelevant: Ein Jude ist genauso in seinem Denken der Logik und den Gesetzen des Verstehens unterworfen wie ein Christ; ein Eskimo folgt gefassten Ideen genauso wie ein Chinese. Das Bewusstsein eines Afrikaners entfaltet sich in der Struktur der Zeitlichkeit genauso wie das Bewusstsein eines Amerikaners. Ein „Existenzial“ wie H.s „Rede“ oder die „Sorge“ betrifft jeden Manschen ganz gleich welcher Hautfarbe oder Religion. Im Kern teilen sich bei H. alle Menschen die gleiche Menschenwürde als denkende, sprechende, mit Bewusstsein begabte, zeitlich endliche Lebewesen.
        H. hielt auch nach der Machtübernahme der Nazis an diesen Grundlagen fest – im Gegensatz zu vielen deutschen Philosphen, Biologen, Ärzten, Juristen – und so findet man in seinen Werken keine Bezugnahmen zur NS-Ideologie und Philosophie, die u.a. einen Kampf der Rassen um das Dasein als Grundprinzip des Menschen postulierte.

        H. zog sich schon 1934 ins Private zurück
        Ohne Zweifel hat H., da er bis 1934 eine offizielle Funktion innehatte, Schuld auf sich geladen. Er hat die Hochschulpolitik der Nazis bis 1934 aktiv unterstützt und anfangs Hoffnungen in Hitler gesetzt. Berühmt ist seine Rektoratsrede, in der er die neue Bewegung freudig begrüßt u. mit dem neuen Führerprinzip einverstanden ist. Das ist nach heutigen Maßstäben verwerflich. Wenn man aber betrachtet, welche Hymnen auf Hitler u. seine Parteigenossen sonst abgelassen wurden, eher noch harmlos. Von fast jedem Schuldirektor, sogar fast jedem Bischof der Zeit lassen sich schlimmere Reden finden!

        H.s Sprache zeugt nicht von Nazi-Ideologie
        In Gesprächen u. Tagebucheinträgen (H.s Werk hat über 10000 S.) hat man ca. 20 kleinere Stellen gefunden in den H. Begriffe wie “Weltjudentum”, “jüdische Finanz”, “jüdisches Rasseprinzip”, “Führer der Nation“ „Scholle u. Boden“ verwendet – nach heutigen Maßstäben Kennzeichen rechtsradikalen, nationalsozialistischen Denkens. Damals waren diese Begriffe aber leider ziemlich normal; sie wurden in allen Kreisen gebraucht. Wenn man z.B. die Werke Thomas Manns auch mit dem Computer danach durchsuchen würde, würde man zu einem ähnlichen Ergebnis kommen. Das macht Thomas Mann aber nicht zu einem Nazi-Schriftsteller.
        Fraglos war H. ein konservativer, zu autoritär denkender Mensch, aber immerhin noch jemand, der einen Band voller Liebesbriefe u. Gedichte an seine jüdische Geliebte hinterlassen hat und sein berühmtestes Werk seinem jüdischen Lehrer widmete, dessen Methode er weiterentwickelte. Nach heutigen Maßstäben war er zu nationalistisch eingestellt, aber er ist niemals öffentlich gegen andere Rassen und Nationen vorgegangen.

        H. sah sich selbst nie als Nazi-Denker oder Nazi-Anhänger
        Nach dem Krieg haben z.B. die Familie Weizäcker und E. Jünger – anerkannte deutsche Autoritäten !!! – H. dafür kritisiert, dass er sich nicht massiver von den Nazis distanziert u. sich öffentlich bekannt u. entschuldigt habe. Wenn man z.B. deren Biographien mit der H.s vergleicht, versteht man, warum H. da nicht mitmachen wollte und lieber einen schlechten Ruf riskierte! In Heideggers eigenen Worten: „Ein Bekenntnis nach 1945 war mir unmöglich, weil die Nazianhänger in der widerlichsten Weise ihren Gesinnungswechsel bekundeten, ich aber mit ihnen nichts gemein hatte“. Diese Aussage, auch wenn etwas übertrieben, trifft wohl eher die Wahrheit, als der Vorwurf der Nazi-Philosphie.

      • Das stimmt beinahe alles nicht und ist ein meinen mittlerweile 4 Beiträgen zum Thema und in den angegebenen Quellen mit zahlreichen eigenen Aussagen Heideggers widerlegt.

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  6. Pingback: Was ist “geistiger Antisemitismus” und warum (zur Hölle!) ist er entschuldbar??? | SonntagsGesellschaft

  7. Es tut mir leid! Ich werde immer traurig, wenn ich sehe, wie ein sehr intelligenter Mensch sich in guten Absichten verrennt! Im Prinzip fallen Sie auf den gleichen Fehler herein, auf den auch viele Nazis hereingefallen sind. Sie untersuchen die Aussagen u. Werke von Menschen, um sich ein Vorurteil bestätigen zu lassen. Und natürlich wird ihr Vorurteil bestätigt. Es kann nicht anders sein. Sie müssen mit ihrer Intelligenz verborgene Zusammenhänge u. Anklänge finden! Ein Genie kann die Bibel als satanische Botschaft auslegen!
    Und so wird dann aus einem merkwürdig kauzigen Professor der Hitler der Philosophie! Wie soll ein Professor, der Kant u. Platon weiterdenkt, auf die Nazis u. deren Ideologie kommen? Was hat Metaphysik mit Rassismus u. Kriegsverherrlichung zu tun? Dies geschieht nur dadurch, dass Sie sein Denken in diese Richtung hin interpretieren!

    • Lesen Sie eigentlich die zahlreich verlinkten Aussagen von Heidegger zum Thema hier? Haben sie zur Kenntnis genommen, dass sogar Herausgeber und bisher sicher nicht Kritiker von H.,Peter Trawny, seine Apologetische Haltung aufgegeben hat?

      • Wer sucht, der findet auch! Hannah Arendt hat z.B. bekannt, dass sie und die Liebe zwischen H. und ihr die Inspiration für S.u.Z war – eine Liebe zwischen den Kulturen jenseits aller Konventionen. Steht da nicht in S.u.Z. ein ganzes Kapitel über die „Verfallenheit an das Man“ – die „uneigentliche Existenz“, in die man durch die eigene völkische Kultur gezwungen wird u. die Schranken der Konventionen -, die überwunden werden müssen, um in das „eigentliche Selbstsein“ zu gelangen? Warum nicht das Werk vor diesem Hintergrund interpretieren? Es lassen sich doch viele gute Briefstellen u. Zitate finden?
        Wohl eher nicht! S.u.Z. ist ein hochabstraktes Werk ohne direkten Bezug zur Zeitgeschichte, persönlichen Erlebnissen u. Äußerungen des Autors. Es versucht die abendländische Metaphysik weiterzudenken u. die Strukturen des menschlichen Verstehens aufzuzeigen. Davon sollte man bei der Interpretation ausgehen. Erst, wenn man mir ein Kapitel über die untermenschlichen Strukturen jüdisches oder slawisches Verstehens zeigt, kann ich mit gutem Gewissen einen Philosophen als Nazi sehen.

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