Heideggers Nationalsozialismus im Lichte seiner Philosophie II

Nach Adorno, Dornis, und Faye. Eine Handreichung.

Im ersten Teil wurde der Zusammenhang zwischen Heideggers Sein und dem Wert dargestellt. Das Mit-Sein wurde als Volk expliziert, dessen Sein der Staat sei. Klar wurde, dass dieses Volk nicht das Staatsvolk des Liberalismus, sondern ein vorgeordnetes, metaphysisches ist, das durch die Gemeinschaft von Blut und Rasse definiert ist, darin aber nicht aufgeht.

II

Doch wie kommt das Volk Heideggers zu dem in ihm schon angelegten und ihm adäquaten Sein, dem Staat? Nicht der einzelne Mensch=Dasein tritt in einen Gesellschaftsvertrag ein, denn ein solcher meinte ja nur die „bloße Summe der Staatsangehörigen“ (s.o). Vielmehr ist die Eigentlichkeit des Mit-Sein schon immer Volk, metaphysisch bestimmt, und muss zu sich selbst gebracht werden. Letztendlich besorgt ab 1934 das nach Heidegger der Führer:

[Der] Führer hat es mit Volkswillen zu tun, dieser ist nicht die Summe der Einzelwillen, sondern ein Ganzes von ursprünglicher Eigentümlichkeit. (…) heute gilt es, das Grundverhältnis unseres gemeinsamen Seins auf diese Wirklichkeit von Volk und Führer einzurichten, wobei beide als eine Wirklichkeit nicht zu trennen sind“ (Faye 198).

Weil der Staat das Sein des Volkes sei muss der Führer, der den Staat zur Wirklichkeit bringt, nach Heidegger dem Sein besonders nahe stehen:

…denn der Ursprung alles staatlichen Handelns liegt nicht im Wissen sondern im Sein. Jeder Führer ist Führer, muss der geprägten Form seines Seins nach Führer sein, und versteht und bedenkt und erwirkt in der lebendigen Entfaltung seines Wesens, zugleich, was Volk und Staat ist“ (Faye 167).

Zuletzt wird der Führer schließlich beinahe vergöttlicht:

Der wahre und einzige Führer weist in seinem Seyn allerdings in den Bereich der Halbgötter. Führer sein ist ein Schicksal, und daher endliches Seyn“ (Faye 147).

All das ist folgerichtig aus dem zu Sein und Zeit dargelegten weiterentwickelt. Es gibt keinen Bruch bei Heidegger, die Konstanz erhellt sich allerdings erst wirklich, wenn man Heideggers sprachlich dunkle Ontologie bereits als Metaphysik des Werts durchdrungen hat (s.o., vgl. Dornis). Erst im Volk erträgt das Dasein die ewige Wiederkunft des sich verwerteten Werts, auf dessen Prinzip es sich entwerfen soll. Das einzelne Dasein ist ins uneigentliche Man=Gesellschaft eingebunden und kann den Entwurf nicht leisten, das Volk selbst aber muss erst noch werden, es ist erst Volk wenn es seiner Geschichtlichkeit inneward (s.o., vgl. SuZ § 74). Allein der Führer, der wie ein Halbgott in die Sphären des Seins hineinreicht kann den Schleier des uneigentlichen Man zerreißen. Der Prozess in dem dies geschehen muss ist mit Heidegger als Selbstbehauptung des Volkes gedacht, in dem es aus der Gesellschaft zur Gemeinschaft findet. „Metaphysisch“ fasst er diesen Gedanken folgendermaßen:

polis ist so die eigentliche Mitte des Daseinsbereiches … die eigentlich bestimmende Mitte des geschichtlichen Dasein eines Volkes, eines Stammes, einer Sippe; das, worum sich das Leben abspielt; die Mitte, auf die alles bezogen ist, um dessen Schutz als Selbstbehauptung es geht. Das Wesentliche des Daseins ist Selbstbehauptung. Mauer, Haus, Land, Götter. Von hier aus ist das Wesen des Politischen zu begreifen“ (Faye 318)

Dieses Verständnis vom Politischen bringt Heidegger gegen den sonst oft zustimmend zitierten Carl Schmidt in Anschlag:

Neuerdings ist das FreundFeindverhältnis aufgetaucht als Wesen des Politischen. Es setzt die Selbstbehauptung voraus, ist also Wesensfolge des Politischen (…) Weil der Staat diese Selbstbehauptung des geschichtlichen Seins eines Volkes ist und weil man den Staats polis nennen kann, zeigt sich demzufolge das Politische als Freund-Feind Verhältnis; aber nicht ist dieses Verhältnis das Politische“ (Faye 323)

Zuvor bereits hat er mit Bezug auf den Aphorismus 53 Heraklits den Versuch unternommen, „zurückzuhorchen zu den Stimmen des großen Anfangs … um die Urgesetze unseres germanischen Menschenstammes … die Grundmöglichkeiten des obergermanischen Stammeswesen“ (Faye 227) zu erkennen.

Heidegger dazu:

Groß und einfach steht am Beginn des Spruches: polemos, Krieg. Gemeint ist dabei nicht das äußere Vorkommnis … sondern das entscheidende: … das Stehen gegen den Feind … es heißt nicht Agon, Wettkampf … sondern Kampf des polemos, Krieg“ (Faye 228).

Der Krieg geht, hierin folgt Heidegger Schmidt, der Tendenz nach auf die Vernichtung des Anderen:

Feind ist derjenige und jeder, von dem eine wesentliche Bedrohung des Daseins des Volkes und seiner Einzelnen ausgeht. Der Feind braucht nicht der äußere zu sein, und der äußere ist nicht einmal der gefährlichere. Und es kann so aussehen, als sei kein Feind da. Dann ist die Grunderfordernis, den Feind zu finden, ins Licht zu stellen oder gar erst zu schaffen, damit dieses Stehen gegen den Feind geschehe und das Dasein nicht stumpf werde. Der Feind kann in der innersten Wurzel des Daseins eines Volkes sich festgesetzt haben und dessen eigenem Wesen sich entgegenstellen und zuwiderhandeln. Umso schärfer und härter und schwerer ist der Kampf, denn dieser besteht ja nur zum geringsten Teil im Gegeneinanderschlagen; oft weit schwieriger und langwieriger ist es, den Feind als solchen zu erspähen, ihn zur Entfaltung zu bringen, ihm gegenüber sich nichts vorzumachen, sich angriffsfertig zu halten, die ständige Bereitschaft zu pflegen und zu steigern und den Angriff auf weite Sicht mit dem Ziel der völligen Vernichtung anzusetzen“ (Faye 229).

In diesen Sätzen formuliert Heidegger beinahe überdeutlich die Theorie der Vernichtung aller Juden, und es bereitet ihm keine Schwierigkeiten sie in die ihm eigenen philosophischen Termini zu kleiden; doch auch die Gründe für die Selbstzerfleischung vieler totalitärer Systeme, die ewige Suche nach dem Inneren Feind, ist hier angelegt.

Wir haben gesehen, dass Heidegger die Apologie des Nationalsozialismus noch bis in die späten Dreißigerjahre, lange über seine Rektoratszeit hinaus, nach der er angeblich mit dem Nationalsozialismus gebrochen habe, betrieben hat. Tatsächlich war Heidegger bis mindestens 1936 bemüht die Gründung einer Dozentenschule auf der Basis seines Denkens in Berlin voranzutreiben, und er hielt nach seinem Rektoratsrücktritt weiterhin seine berühmten Seminare für besonders eingefleischte nationalsozialistische Studenten in Todtnauberg, die er 1933 folgendermaßen beschrieb:

vor acht Tagen hatte ich in Todtnauberg das erste Lager – ich habe viel gelernt. In der Mitte der Lagerzeit musste ich aber 20 Leute entlassen – die nicht dahin passten. So ein Lager ist eine große Probe – für jeden – und gefährlich“ (Faye 96).

Und auch als der Krieg zum totalen wird bleibt Heidegger seinem Nationalsozialismus treu:

Der Weltkrieg ist für jedes Volk die große Erprobung darüber, ob es im Stande sein wird, dieses Geschehen ist in sich geistig- geschichtlich zu verwandeln. Der Weltkrieg ist die Frage an die einzelnen Völker, ob sie an diesem Geschehen ist sich verjüngen oder alt werden wollen“ ( Faye 229),

1940 feiert er die Motorisierung der Wehrmacht als „metaphysischen Akt“, und ebenso verklärt er die Niederlage Frankreichs metaphysisch als jene Zerstörung des Descartschen res cogito, die Heidegger ursprünglich selbst im nie veröffentlichten zweiten Teil von Sein und Zeit einleiten wollte:

In diesen Tagen sind wir selbst Zeugen eines geheimnisvollen Gesetz der Geschichte, das ein Volk eines Tages der Metaphysik, die aus seiner eigenen Geschichte entsprungen, nicht mehr gewachsen ist und dies gerade in dem Augenblick, da diese Metaphysik sich in das Unbedingte gewandelt hat“ (362).

Faye schließt daraus:

Die ‚Metaphysik‘ ist bei Heidegger nichts als ein der Philosophie entwendeter Begriff, der in Wahrheit etwas ganz anderes bedeutet: die ‚Motorisierung der Wehrmacht‘, die als ein metaphysischer Akt zu verstehen sei; die Rassezüchtung, für Heidegger ‚metaphysisch notwendig‘; und auch die Kapitulation Frankreichs wird von Heidegger als der Tag bezeichnet, ‚an dem ein Volk (…) der Metaphysik, die aus seiner eigenen Geschichte entsprungen, nicht mehr gewachsen ist‘. (…) Die Wahrheit des Seyn ist nun unauflöslich verbunden mit der kommenden Läuterung des deutschen Wesen und der deutschen Rasse“ (Faye 400).

So schwach die oft wiederholte Injektive Fayes, Heidegger sei kein Philosoph (er ist einer, eben ein nationalsozialistischer); alle Versuche Heidegger hiernach gegen den Nationalsozialismus abzugrenzen dürften sich als vereitelt ansehen. All jene, die behaupten, Heidegger habe sich nach 1934 distanziert sollten ob der schieren Anzahl der eindeutigen Zitate aus den Jahren 1935-40 schweigen. Doch auch die Denkfigur vom bösen Nationalsozialisten und dem neutralen Philosophen ist nicht haltbar. Wer sich an ihr dennoch versuchen möchte hätte sich zuerst mit Martin Heidegger selbst auseinandersetzten, für den es nie eine Frage war, ob sich Sein und Zeit in offen nationalsozialistische Termini übersetzen lässt. Aber könnte es denn nicht sein, dass Heidegger einfach ein Opportunist war, der seine Philosophie nachträglichen Nazifizierte? So unbedeutend das wäre: Seine antisemitischen Briefe von 1916 und 1929 lassen es wenig naheliegend erscheinen. Und schließlich erklärte Martin Heidegger schon in den zwanziger Jahren Sympathisanten, die glaubten völkische Gedanken in Sein und Zeit zu entdecken:

was ich denke, das sage ich, wenn ich Ordinarius bin“ (Faye 36).

Und das tat er dann…

Ende von Teil 2

Weiterlesen:

Faye, Emanuel. Heidegger: die Einführung des Nationalsozialismus in die Philosophie“, Matthes und Seitz 2008.

Adorno, Theodor W.: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit. Suhrkamp: Frankfurt 2003.

Heidergger, Martin: Sein und Zeit. MAX NIEMEYER VERLAG 1967.

Martin Dornis: Der Meister aus Deutschland. Zur Kritik der Ideologie des Todes. In: Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft. S. 124-155. Ca Ira 2011.

Auch interessant: http://anti.blogsport.de/2013/06/28/doktor-seltsam-oder-wie-peter-sloterdijk-lernte-die-medientheorie-zu-lieben/

12 thoughts on “Heideggers Nationalsozialismus im Lichte seiner Philosophie II

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  5. Das sind keine echten Heidegger-Zitate, sondern Interpretationen von Faye, einem Mann, der dadurch bekannt wurde, dass er behauptete Heidegger hätte ein Memorandum für Hitler verfasst! Er fühle die Verwandtschaft der Sprache! Traurig! Vollkommen ohne Zusammenhang!

    • Einige der Zitate sind von Faye, andere von Heidegger. Es geht IMMER aus dem Text hervor wann Faye zitiert wird, und wann H. NACH Faye zitiert wird. Die Zitate sind verifiziert. Bis heute wirft NIEMAND Faye Zitatfälschung vor, entsprechend kann man ohne Weiteres für einen Blogartikel Heidegger NACH Faye zitieren.

      Ich beende die Diskussion mit Ihnen, es führt zu nichts.

  6. Ihnen mache ich keinen Vorwurf; sie handeln im guten Glauben u. können nicht die Zitate Fayes überprüfen! Vom Denken her gesehen begeht Faye einen Fehler, von dem man nicht weiß, ob er Absicht ist. Heidegger ist der entschiedenste Gegner der Metaphysik in der Geschichte des abendländischen Denkens: Er hält diese letztendlich für technisch u. die Weltanschaungen die daraus herrühren für gefährlich. Wenn er also Nietzsche u. die Weltanschaung der Nazis, in ihrem Wesen als metaphysisch deutet und über die Technisierung der Umwelt, des Krieges gesprochen hat, dann weil er beides ablehnt und für gefährlich hält.
    Ein Blick ins Lexikon hätte Faye genügt!

    • H, Gegner der Metaphysik? Das bleibt Quatsch, auch wenn man versucht es so lang zu wiederholen, bis es wahr klingt. Man muss Fayes Zitate nicht nochmal prüfen, sie sind authentisch und stehen im Gegensatz zu deren Interpretation außerhalb der Diskussion. Nicht mal seine größten Gegner werfen Faye Zitatfälschung vor.

      Nochmal zum mitschreiben: Heidegger war gegen die Logik in der Metaphysik. Die schlägt er dem technischen bzw. rechnenden Denken zu, dass er später, worauf zuletzt in der Zeit wieder hingewiesen wurde, als jüdisch klassifizierte. Ein Ontologe der die Metaphysik an sich ablehnte litte wohl an einer Persönlichkeitsspaltung. Ontologie ist immer Meta-Physisch.

  7. H. wurde weltberühmt, als er feststellte, dass die Metaphysik (Philosophie) etwas nicht eigens bedacht hatte: Das Sein. Sie versucht seit der Antike über das einzeln Seiende zu begründen, was Sein ist, bzw. dessen Grundkraft, Grundprinzip zu erklären (Gott, Idee, Materie usw.). Diese Letztbegründungen sind für H. im Kern „technisch“, mechanisch: Sie begründen das Sein letztendlich in einem Ursache-Wirkungs-Zusammenhang u. Grundprinzip. Für H. wahr dies wahrheitsverengend. Für H. war klar: Die Metaphysik muss überwunden werden! (H. nannte das „Verwindung“)
    Sie haben absolut Recht: „Ein Ontologe, der die Metaphysik an sich ablehnte litte, wohl an einer Persönlichkeitsspaltung.“ Genau so dachte H.: Sein u. Zeit (Fundamentalontologie) ist im Verborgenen immer noch der Metaphysik verhaftet und sucht nach einer Letztbegründung. Darum begann er sogleich, eine „Kehre“ in seinem Denken einzuleiten.
    Als Mensch hatte H., wie viele damals auch, (rassische) Vorurteile: Juden galten nur als gute Mathematiker, Physiker, Kaufleute („Rechner“). H. sah sie wohl nur auf dem Felde der Wissenschaft als wirklich begabt. Aber immerhin hielt er die Jüdin Arendt für das größte philosophische Talent unter seinen Schülern. Insgesamt ist aber das Denken in Rassenkategorien bei H. im Vergleich zu der Mehrzahl seiner Zeitgenossen eher schwach ausgeprägt.

  8. Ein Beispiel für Faye: Nach Faye soll H. den jüdischen Philosophen Kroner in seinen Vorlesungen übel beschimpft haben (Faye geht von Mitschriften der Studenten aus!!!!): „oberflächlich, nicht zu gebrauchen, so was darf nicht sein“ usw. Laut Experten, die sich da einarbeiten mussten, verwechselte Faye, Kroner mit Kröner – einer Hegel-Textsammlung. Gute Absichten rechtfertigen nicht alles!

    • Faye wertet zahlreiche Quellen aus, gibt insbesonder H. in Originalzitaten zur genüge an. Es lässt tief Blicken, dass sich Hs Verteidiger an ein paar Oberflächlichen Fehlern abarbeiten. Wer Freunde hat die solches über H sagen (verteifgend gemeint) brauch aber eh keine Feinde mehr: „Im Interview erklärt Silvio Vietta, dass es in diesem Heft „keinen einzigen Satz gegen Juden, … Aber auch in diesem Heft wird deutlich, dass 1945 für den Philosophen kein tiefer Einschnitt war: das „mathemathisch-technische Denken“ der Neuzeit habe Europa in einen Zustand „innerer und äußerer Verwüstung“ geführt. Der Nationalsozialismus war für Heidegger nur eine Variante, die das Verhängnis der Moderne produzierte. „Wir dürfen nicht vergessen: Heidegger war so ziemlich gegen alles, was die Moderne verkörperte: gegen die Herrschaft der Rationalität, die totalitäre Technik, die er das ‚Gestell‘ nennt, Amerikanismus, Bolschewismus, Liberalismus – und dann unter vielen anderem auch gegen das ‚rechnende Denken‘ der Juden““

  9. Ich weiß nicht, ob das eine Nebensache ist, wenn man H. als jemand darstellt, der immer wieder in seinen weltberühmten Vorlesungen Juden öffentlich übel beleidigte. Welcher Student z.B. beschäftigt sich dann mit dem Denken von so einem vermeintlichen VolIidioten? Damit ruiniert Faye völlig das Ansehen Hs.
    H: „Die Juden leben bei ihrer betont rechnerischen Begabung am längsten schon nach dem Rasseprinzip.“ So lautet das ominöse Zitat – übersetzt: Juden sind vor allem für die Wissenschaften begabt (ein Vorurteil!); als Jude galt nur der Sohn einer jüdischen Mutter (nach den alten Regeln des Judentums), man konnte also nicht zum Judentum konvertieren. Wo liegt das Problem?
    Ohne Zweifel hatte H. u.a. einige Vorurteile gegen damalige jüdische Philosophen und deren „rechnendes Denken“ (Wissenschaftsorientierte Philosophie, z.B. Marxismus) und wollte deren prägenden Einfluss im Geistesleben zurückschrauben. Aber 99,9% der Juden waren arme tiefgläubige Menschen im Osten. Was sollte H. gegen die haben? Er lehnte sie sicher nicht als „Gottesmörder“ ab, wie der Papst u. die Mehrzahl der europäischen Christen. Gegen das „Rechnen“, die Methode der Naturwissenschaft, in der die Juden weltweit brillierten, hatte H. im Grunde nichts: Er wollte nur nicht, dass sich die Philosophie danach ausrichtet. Das hielt er für gefährlich. Privat war er mit vielen Wissenschaftlern befreundet.

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