Freitagsgedicht: Ein gleiches

Gedicht von, und ein starkes Buch über – Goethe.

Das Freitagsgedicht der Sonntagsgesellschaft in dieser Woche ist Ein gleiches von Johann Wolfgang Goethe. Es handelt sich um eines der bekanntesten Gedichte der deutschen Sprache, ob seiner Kürze vielzitiert und manchmal sogar gelesen. Beinahe jeder, der für sich in irgendeiner Weise höhere Bildung in Anspruch nimmt glaubt zu wissen, worum es in Goethes Gedicht geht.

Ein gleiches.

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Allerdings ist Ein gleiches keineswegs trivial, das zeigt Sebastian Kiefer in seinem lesenswerten Buch Über allen Gipfeln: Magie, Material und Gefühl in Goethes Gedicht „Ein gleiches“. Eng am Text arbeitet Kiefer all die vorkritischen Annahmen heraus, die auch und gerade in der Literaturwissenschaft eine Auseinandersetzung mit dem Gedicht eher verstellen als ermöglichen. Quasi nebenher entwickelt Kiefer dabei einen pointierten Begriff davon, was „Klassik“ sein könnte.

Nicht verifizieren lässt sich übrigens die noch heute in zahlreichen universitären Übersetzungskursen erzählte Anekdote, Ein gleiches sei Anfang des 20. Jahrhunderts ins Japanische übersetzt, und später aus Unwissen als japanisches Gedicht folgendermaßen rückübersetzt worden:

Japanisches Nachtlied

Stille ist im Pavillon aus Jade
Krähen fliegen stumm
Zu beschneiten Kirschbäumen im Mondlicht.
Ich sitze
Und weine.

One thought on “Freitagsgedicht: Ein gleiches

  1. Pingback: Lyrik ist keine Arbeit… | SonntagsGesellschaft

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