Stehe zu deinem Katholizismus, Mann!

Mein später Rat an Bischof Tebartz-van Elst

„Then, said Cranly, you do not intend to become a protestant?“

„I said that I had lost the faith, Stephen answered, but not that I had lost self-respect. What kind of liberation would that be to forsake an absurdity which is logical and coherent and to embrace one which is illogical and incoherent?“

(Joyce, Portrait)

Du hast es als Büßer versucht, das hat nicht funktioniert. Der Volksgeist verzeiht nicht dem, den er nicht ärger leiden sieht als den Niedrigsten seiner Nächsten. Und die Armut war eh schon immer ein protestantisches Projekt. Der derzeitige Papst, Franziskus I, führt doch nur fort was Eventmanager Johannes Paul II begonnen hat: Die endgültige Reformation der katholischen Kirche. Ausnahmsweise hat mein ganz spezieller Kollege und Genosse Richard Herzinger einmal Recht, wenn er schreibt:

„Solange die Kirche noch über erhebliche Reichtümer verfügt, kann ihr Armutsgestus nicht mehr sein als Armutssimulation. Gott sei Dank, möchte man sagen, denn das Ideal der Armut ist keineswegs so harmlos und moralisch edel, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Mit ihm ist nämlich nicht einfach selbstlose Zuwendung zu den wirklich Armen verbunden, sondern die Glorifizierung, ja, die Vergöttlichung der Armut als solche. Für den Papst sind, wie er zu Pfingsten auf dem Petersplatz predigte, die Armen “wirklich der Leib Christi”. Nähe zur Armut bedeutet demnach Nähe zu Gott, der sich in ihr unverfälscht manifestiere. Im Umkehrschluss heißt das aber, dass Wohlstand, Besitz und Reichtum den Menschen von Gott und damit immer weiter von moralischer Vollkommenheit entfernen.“

Was hast Du denn falsch gemacht, Tebartz-van Elst? Sind die Herren Waldenser denn plötzlich keine Ketzer mehr?  War es nicht schon immer so dass die katholische Kirche in ihren prunkvollen Bauten die Idee der Transzendenz am Leben erhalten hat, wahrhaft architektonischer Stellvertreter Gottes auf Erden? Und war nicht auch noch jeder Bau einer Kathedrale ein regionaler und überregionaler Wirtschaftsmotor, der den Lebensstandard, und trotz aller Todesfälle am Bau die Lebenserwartung am Standort, in allen Zeiten angehoben hat?

P1080222Der St. Barbara Dom in Kutna Horá. schon immer wussten Katholiken mit ihrem Geld wenn nichts besseres, dann doch schöneres anzufangen als Protestanten. Allerdings ist die Kirche vor dem allgemeinen Verfall ästhetischer Urteilskraft nicht gefeit.
 

Ja, man schreibt der sogar heute noch Bücher darüber und die Leute lesen es. Ist es nicht besser das nicht zu verachtende Vermögen der katholischen Kirche an Bauarbeiter und Innenausstatter zu verteilen, als es wieder und wieder in den überhitzten Kreislauf der Finanzmärkte einzuspeisen wo es in nicht allzu ferner Zukunft verpuffen würde?

Also, liebster Hochwürden. Raus aus dem Büßerhemd, rein in die goldene Badewanne. Weltweit wächst die katholische Kirche gerade weil sie sich in Lehre und Habitus, aufs innigste miteinander verschränkt, vom Protestantismus abhebt. Es gibt doch noch einen Papst der sich zum dialektischen Denken nicht zu schade ist. Sollte der nicht auch deinen bescheidenen Beitrag zum Wohle der Volkswirtschaft ins rechte ewige Licht zu rücken wissen? Auf! Einen Gegenpapst aufgestellt, wie es in der Guten Alten Zeit ™ Sitte war! Das mag dir auch nicht die beste Publicity gewähren, aber besser als alles was derzeit geschrieben wird ist es alle Mal.
Natürlich wäre noch die Frage des Namens zu klären. Benedikt XVII? Benedikt XVI Zwo? Benedikt – Die Wiederkehr?
Oder huldigen wir, ich wage kaum so vermessen zu sein, bald Papst Tebartz, dem Herrn der goldenen Badewanne?

O wäre das nicht wahrhaft göttlich?

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PS: Herzlich lachen musste ich bei einem Beitrag der Achse des Guten von Dr. Cora Stephan, in dem behauptet wird es hätte gegen Tebartz van Elst mit dem Protestantismus auch das Proletariat gesiegt. Als sei es nicht umfassend gezeigt worden, wie notwendig der Protestantismus war um das Proletariat an die kapitalistische Arbeitsordnung zu schmieden. Stephan polemisiert nach dem Motto „gesiegt haben die Löwen, also die Dompteure“, und kichert dabei wahrscheinlich noch nicht einmal wissend in sich hinein.

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