Die Sonntagsgesellschaft zur Weihnachtszeit (III)

Schenk einen Teil von dir !?

Nicht wirklich ein Text zum Thema Weihnachten, aber doch zum Geben und zur persönlichen Integrität im weitesten Sinne sind die gerade veröffentlichten Überlegungen meines Lieblingsliberalen Richard Herzingers zum Thema Organspende.

Er würde es nicht tun, und das ist ok. Ich kann sogar nachvollziehen dass er sich den moralischen Druck zu spenden verbittet, dass er auf einige, teils biologische teils auch erkenntniskritische Schwierigkeiten bei der Hirntod-Definition hinweist, und dass er seinen Körper noch im und nach dem Tod als Einheit begriffen wissen möchte (so praktisch irrational das sein mag). Tatsächlich, es gibt gute Gründe den Einzelnen noch im Tode als Individuum zu behandeln, wenn er es nach allen praktischen rationalen Kriterien nicht mehr ist.

Doch selbst wenn ich mit Herzinger in vielem übereinstimme ist seine Argumentation (darauf verwies ich schon an anderer Stelle) entlarvend. Denn die Forderung nach körperlicher Integrität nach dem Tod ist natürlich metaphysisch. Herzinger, wenn er sich nicht gerade polemisch gegen die kritische Theorie wendet, ist das dialektische Denken bekanntlich nicht fremd. Umso mehr muss er sich der Metaphysik verweigern, will er nicht selbst vom eigenen Denken getrieben wieder aus dem gesellschaftlich noch Akzeptierten austreten, und ein unter den geschmähten Kritikern.

Was macht Herzinger?

„Aber das Recht des Individuums, auch über den Tod hinaus über den eigenen Körper zu verfügen und ihn in Gänze mit in die Verwesung oder Einäscherung mitnehmen zu dürfen, ist ein Recht an sich, das keiner zusätzlichen moralischen oder rationalen Rechtfertigung bedarf.“

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Allein mit dem Recht versucht er ein metaphysisches Ideal zu begründen, das doch ursprünglich der Angst entstammt im Totenreich nicht vollständig wieder aufzuerstehen, und heute emphatisch vor allem darum geachtet werden sollte, weil es die Unteilbarkeit des Menschen bekräftigt, in einer Weise die über den Menschen als gesellschaftliche Funktion hinausgeht (Liberale sollten den Toten als Ersatzteillager betrachten! Sie betrachten den Lebenden schon so!).

Was wird also der Bürgerrechtsaktivist Herzinger als nächstes fordern? Volles Eigentumsrecht für Tote (über kurz oder lang wohl der Stillstand jede Ökonomie)? Die Rechte auf Freizügigkeit und freie Rede? (Dann dürfte man wohl niemals Gräber umbetten), oder vielleicht sogar das Recht auf Leben? Damit wären wir, wie man es dreht und wendet, aber schon wieder tief in den Gefilden der Metaphysik.

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