Akif Pirinçcis neuer Katzenroman …

… ist keiner. Leider. Darüber eine Fantasie in Blau…

Frohlocket ihr Jünger der Musen! Preiset den Herrn ihr Freunde des geflügelten Wortes. Erhebet die Herzen nach Walhall, ihr Liebhaber filigran geführter Federn! Die Durststrecke ist vorbei, die schwarzen Tage der deutschsprachigen Literatur, sie dauerten zu lange schon an (wir schreiben den Monat 2 nach dem Verfall), nun scheint das Licht, nun brennt die Fackel, nun trällern die Chöre nun wackelt der Dackel!

Denn aus dem Heer der Nazienkel und der Onkel Toms ist einer hervor gestiegen, der hat ein Buch geschrieben, und der ist alles, aber sicher kein Onkel und Tom heißt er auch nicht! Dass diese Turbine mit dem Strom schwimmt kann man ihr (sorry, Genderdings… böse … ihm also, dem Herrn Turbine) nun wirklich nicht nachsagen. Da macht einer den Strom, da steht einer… keinesfalls unter dem Pantoffel, das ist wichtig, sondern seinen Mann, und zwar rotierend. Rührt euch, ihr Eier! Und überhaupt, man wird das doch noch sagen dürfen?

katze 2kommt nicht vor: Katze.
 

Die Rede ist natürlich von Akif Pirinçcis neuem Roman „Deutschland von Sinnen“ (Leseprobe), einem spannenden Meisterwerk des magischen Hysterismus, darin Hella von Sinnen in Katzengestalt, oft stark alkoholisiert und immer rollig, durch ein Deutschland von ebensolchen Sinnen driftet, und dabei peut a peut in ein Komplott von sozialschmarotzenden Migranten, linksgrünen Gutmenschen und hinter jeder Häuserecke hervorlugenden sinistren Sozialisten hereingezogen wird, ein Komplott das die Abschaffung der bürgerlichen Familie, der Heterosexualität, und eine Umwertung aller Werte zum Ziel hat. Von Sinnen ist förmlich von Sinnen in einem Deutschland, das von Sinnen ist, und beginnt zu ermitteln…

…Die Ergebnisse allerdings sind alles andere als spannend: die Umwertung aller Werte ist seit hunderten von Jahren im Gange, die industrielle Revolution war ihr großer Katalysator, und so wirklich schuld ist niemand… Kapitalismus, bla bla bla. Und nun? Klingt nicht, als hielte der Roman was er versprach. Die Katze von Sinnen allerdings weiß das Beste aus der verfahrenen Situation zu machen und erfindet ihrerseits einen Autor namens Pirinçci, der seinen wundervoll hysterischen Roman kurzerhand dem Mülleimer überantwortet und den Kram mit den sozialschmarotzenden Migranten, linksgrünen Gutmenschen und hinter jeder Häuserecke hervorlugenden sinistren Sozialisten nochmal ganz unironisch und ernst in eine mehr als 200 seitige Tirade verpackt (Man denkt an Conrad: The Horror!).

Die muss man sich nicht reinziehen. Es genügt schon sich etwa ein oder zwei Passagen aus Pirinçcis Pamphlet auf der Achse des Guten, „Das Schlachten hat begonnen“, zu Gemüte zu führen:

„Warum erzähle ich das? Weil es sich bei der letztmaligen Tötung eines jungen Deutschen namens Daniel S. von Türken in Kirchweyhe im Grunde um einen beispielhaft evolutionären Vorgang handelt, nämlich um den schleichenden Genozids an einer bestimmten Gruppe von jungen Männern. Dabei ist nicht einmal die Tötung selbst von Interesse, so grausam sich das auch anhören mag, sondern das “Biotop”, in dem der Genozid stattfindet. Und noch mehr dessen Folgen. Die Tat reiht sich ein in eine Serie von immer mehr und in immer kürzeren Abständen erfolgenden Bestialitäten, die zumeist von jungen Männern moslemischen Glaubens an deutschen Männern begangen werden. (Es befinden sich unter den Opfern nie Frauen. Die werden in der Regel vergewaltigt, was auch banal evolutionär zu erklären ist, aber dazu später.)“ (Schlecht: Genozid)

„Wieso ist das so? Wenn in der Türkei vier oder fünf Deutsche aus türkenfeindlichen Motiven einen Türken erschlagen hätten, wären sie innerhalb von zehn Minuten von herbeigeeilten Passanten an ihren Eiern an der nächsten Straßenlaterne aufgehängt worden. Wenn sie das überlebt hätten, wären sie in der anschließenden Nacht im Knast von “Landsmännern” des Getöteten in die ewigen Jagdgründe befördert worden, und wenn auch das nicht gelungen wäre, hätten sie eine derart hohe Haftstrafe bekommen wie es hierzulande nur noch bei Steuerbetrug der Fall ist“ (lies: das wäre gut. Schluss mit Genozid!)

dazu auch: I, II

sehr lesenswert zum Thema: http://gruppemorgenthau.com/wut-burger/

Das sollte reichen um festzustellen, dass der Autor in erster Linie an einem gespaltenen Verhältnis zum Islam und zu islamistischer Gewalt leidet (irgendwo nannte das wer mal treffend „Islamneid“). Als Verteidiger der Freiheit oder überhaupt als Antipode zu den fraglos im Übermaß existierenden Bedrohungen der Idee vom menschlichen Individuum, seien sie sozialistisch, faschistisch, grün-gesundheitlich-tugendhaft, islamisch eben oder sonst wie geprägt, taugt Pirinçci in jedem Fall nicht. Wer meint, man müsste das nicht noch einmal gesondert erwähnen übersieht, wie viele Leser „Deutschland von Sinnen“ innerhalb kürzester Zeit gefunden hat. Pirinçci verherrlicht die Gewalt, die er gleichzeitig als Bedrohung für den „freien Westen“ ausmacht. Pirinçci schätzt offenkundig evolutionäre Vorgänge auch innerhalb der Spezies Mensch als etwas nicht hintergehbares, nicht als wiederum von der menschlichen Gesellschaftsgestaltung beeinflusstes, sondern als erste Natur, sehr hoch. Was er angesichts dessen gegen die angebliche evolutionäre Durchsetzung eines gewalttätigen Islam hat bleibt zweifelhaft. Pirinçci liebt, was er hasst, er verteidigt mit den Waffen des eingebildeten Aggressors was schon in dem Moment, in dem man sich diesem Aggressor gemein macht nicht mehr existiert. Pirinçci ist eine tragische Figur, und sicherlich die bisher klügste Erfindung der zugedröhnten rolligen Katze Hella von Sinnen, die die Hauptrolle in Pirinçcis neuen Katzenroman „Deutschland von Sinnen spielt“…

Ach wäre es doch nur so.

P.S.: Gleichzeitig belustigend und zum Gruseln sind die Reaktionen zahlreicher Freunde Akif Pirinçcis in den Kommentarspalten großer Onlinemedien und auf verschiedenen Blogs. Da wird dann nämlich ganz ernsthaft behauptet die Kritiker könnten den Gehalt des Pamphlets nicht nachvollziehen, da dieses in seiner Sprachgewalt ihren literarischen Horizont übersteige. Jene konservativen Revolutionäre, die einst noch George und Jünger, Celine und D´Annunzio für ihre Sache in Anschlag brachten sehen sich um der bildungsbürgerlichen Distinktion Willen nun also auf Pirinçci verworfen.
Fragen schließen sich an: Sind Reaktionäre ohne Stilbewusstsein gefährlicher als solche mit? Oder ist das relativ egal, weil man am Ende sowieso den Mob für sich wüten lässt? Und wird der Mob fähig sein zwischen einem guten Migranten wie Pirinçci und den ganzen faulen Schmarotzern zu unterscheiden? Oder sollte ich hier zum Wohle des Autors demnächst einmal den Zauberlehrling besprechen?

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