„Leda and the Swann“ von William Butler Yeats

„Leda and the Swann“ von William Butler Yeats

“A sudden blow: the great wings beating still
Above the staggering girl, her thighs caressed
By the dark webs, her nape caught in his bill,
He holds her helpless breast upon his breast.

    How can those terrified vague fingers push
The feathered glory from her loosening thighs?
And how can body, laid in that white rush,
But feel the strange heart beating where it lies?

   A shudder in the loins engenders there
The broken wall, the burning roof and tower
And Agamemnon dead.

                                          Being so caught up,
So mastered by the brute blood of the air,
Did she put on his knowledge with his power
Before the indifferent beak could let her drop?”

Mit der Lyrik von William Butler Yeats konnte ich mich nie so recht anfreunden. Sein nationalrevolutionärer Pathos, seine damit verbundenen ausschweifende Verse in freien Rhythmen, denen es oft an innerer formaler Gestaltung mangelt, und nicht zuletzt die eigenwillige Metaphysik, die auch in der Lyrik, für diese wenig schmeichelhaft, ihren Ausdruck findet: Yeats rangiert sicher unter den wortgewaltigsten und gebildetsten politischen Propagandisten, scheint mir als Lyriker aber oft durchaus überschätzt. Die Worte Pounds, Yeats habe jenseits aller avantgardistischen Strömungen seinen eigenen Weg in die Moderne beschritten klingen daher für mich wie ein vergiftetes Lob.

Doch es gibt Ausnahmen. Einige vor allem formal strenge Gedichte wie „The Lake Isle of Innisfree“, „Sailing to Byzantium“ oder das herausragende „Leda and the Swann“ gehören zum Größten, das die moderne europäische Literatur hervorgebracht hat. „Leda and the Swann“ etwa erinnert in der Art und Weise in der das Sonett strukturell gewoben ist, mit seinen Zeilensprüngen, den über mehrere Zeilen und Strophen laufenden, urplötzlich gewendeten, Gedanken, den nicht auf die Versschlüsse beschränkten Reimen und Assonanzen, an die besten der Neuen Gedichte Rilkes. Im seherisch – predigenden Tonfall klingt dagegen etwas von Stefan George an, der sich in der formalen Durchgestaltung nie in die Höhen Rilkes aufschwang. Die unwiderstehliche Weise dann, mit der „Leda and the Swann“ vom zuvor präzis beobachteten, gerade zu verdinglichend beschriebenen Liebesakt sich im auch optisch durchbrochen Schluss in wenigen Zeilen zu einer Vision, einem geistigen Panorama von Griechenland nach dem Fall Trojas und dem Tod Agamemnons, erhebt, um sofort zum vollzogenen Gewaltakt des Gottes an Leda zurückzukehren

„The broken wall, the burning roof and tower
And Agamemnon dead.
_______________Being so caught up,
So mastered by the brute blood of the air,“

und mit den Zeilen zu schließen

„Did she put on his knowledge with his power
Before the indifferent beak could let her drop?”

kommen aufs Produktivste der analytische und der schöpferische Anspruch von Dichtung zusammen. Hier der Text gelesen von Tom O’Bedlam:

Vor einigen Jahren stieß ich beim herumstöbern online auf eine lesenswerte Zusammenstellung literaturkritischer Positionen zu „Leda and the Swann“. Darin wurde wunderbar, wenn auch unbeabsichtigt, veranschaulicht wie sich Literaturkritik immer mehr von Textanalyse und kritischem Kommentar abwendet, und hin zu einer gesellschaftspolitischen und moralisierenden Auseinandersetzung. Augenfällig wurde dabei, wie wenig die Moral an einer genauen Lektüre interessiert ist. Urteile stehen fest, Werke werden vor allem als Negativbeispiele bestimmter Haltungen herangezogen.

Vielleicht kennt jemand das Dokument, ich finde es nicht mehr.

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