Titel und Ton

Ein guter Ratschlag von einem der es wissen sollte.

Ich glaube Nabokov schreibt in The Real Life of Sebastian Knight, der Titel eines Werkes müsse dessen Ton, nicht dessen Inhalt anklingen lassen.

To Kill a Mockingbird von Harper Lee führt vor Augen, wie genial das gelingen kann. Ebenso The Sound and the Fury von Faulkner und The Grassharp von Capote, es scheint überhaupt, dass die Kunst des Titelns im amerikanischen Süden zur Vollendung geführt wurde. Aber auch an Grass Blechtrommel bewahrheitet sich Nabokov kleine Weisheit, hier in dem Sinne, als dass die geschickte Art und Weise, wie sich die marktschreierische Verkleinerung (!) des Nationalen Sozialismus in dem mit dem Nobelpreis bedachten Machwerk bereits im Titel manifestiert alles ist, was daran des Erinnerns wert ist.

Beispiele für bedeutende Romane, in denen der Titel all zu plump auf den Inhalt verweist, sind Legion. Hoch geschätzte Texte sind dabei, wie Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Peter Weiss Die Ästhetik des Widerstands, und womöglich auch Marquez Hundert Jahre Einsamkeit. Dessen Titel lässt Kitsch erwarten, wo dann zum Glück Opulenz und strenge Form eine glückliche Allianz eingehen, die was kitschig zu werden droht ins magisch-realistischer retten.

Ebenfalls schwach, und vor allem nach dem Inhalt betitelt ist The Real Life of Sebastian Knight von Vladimir Nabokov…

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