So Ideologisch, dass man sich widerspricht …?

Am Beispiel Konkret: Wenn Wohlmeinende sich selbst ein Beinchen stellen…

So richtig will es mir immer noch nicht in den Kopf. Ich kann mir die psychischen und gruppendynamischen Prozesse erklären, ich weiß, dass Journalisten viel zu wenig Geld bekommen und oft noch viel weniger Zeit für Recherche haben, und ich weiß, dass eine starke Meinung sich besser verkauft als ein ausgewogener Artikel. Auch, dass an Universitäten Grundlagen der Logik ebenso wenig gelehrt werden wie die der Statistik, oder zumindest das heute durch alle Presseorgane hindurch gleichermaßen konsequent ignorierte Prinzip, dass Korrelation keinen Kausalzusammenhang impliziert. Und obwohl ich all das weiß regen Artikel, in denen Einwände gegen die im Text vertretene These sogar selbst im Text enthalten sind, ohne dass sie dann diskutiert werden, auf. Insbesondere in konkret und Jungle World stoßen mich daher immer öfter auch Texte ab, mit denen ich inhaltlich eigentlich in vielem übereinstimmen könnte.

In einem besonders herausragenden Beispiel versucht Tomas Konicz die anhaltende Dürre im Südwesten der USA als eine Folge des menschengemachten Klimawandels zu verkaufen. Er zitiert zustimmend und ohne auch nur auf mögliche Einwände hinzuweisen:

„Der Klimawandel habe im Südwesten der USA bereits voll eingesetzt, warnten die Autoren des National Climate Assessment. Die Region habe sich in den vergangenen Dekaden schon merklich erwärmt, »die Periode seit 1950 war heißer als jede vergleichbar lange Periode in den vergangenen 600 Jahren«. Das Jahrzehnt zwischen 2001 und 2010 habe die höchsten Durchschnittstemperaturen seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnung mit sich gebracht. Der menschengemachte Klimawandel habe in Wechselwirkung mit der langen Dürreperiode zu verstärktem Baumsterben und zur Zunahme von Feuersbrünsten geführt, die mittlerweile Flächen erfaßten, die um 650 Prozent größer seien als in den siebziger Jahren.“

Nur wenig später folgte dann eine Passage, die allein aufgrund der darin präsentierten Empirie sehr viel besser dazu geeignet wäre, Vahrenholts These von der Kalten Sonne zu bestätigen, als die zuvor aufgestellte Behauptung:

„Dabei gilt es inzwischen sogar als wahrscheinlich, daß im Südwesten der USA nun eine generelle Rückkehr zu einem weitaus trockeneren – und durch die Erderwärmung zusätzlich aufgeheizten – Klima ansteht, wie »Spiegel Online « ausführte: »Baumringanalysen haben ergeben, daß das 20. Jahrhundert dort die niederschlagsreichste Periode der vergangenen 1.200 Jahre war. Zuvor war es in der Region deutlich trockener als heute.« Laut diesen Studien gab es in der Region »zwischen den Jahren 850 und 1300 gleich zwei Megadürren – jede für sich fast 200 Jahre lang«. Es stehe nun zu befürchten, daß das Klima im Südwesten zu solchen Verhältnissen zurückkehren könnte: »Dann wären wohl auch die harten Sparmaßnahmen, die in Städten wie Las Vegas inzwischen gelten, nicht mehr ausreichend.«“

Konicz schließt daraus:

„Es lässt sich daher sagen, daß die kapitalistische Landnahme der gesamten Region in den vergangenen 150 bis 200 Jahren unter sehr günstigen klimatischen Bedingungen abgelaufen ist, was unter anderem die Ausbildung einer ressourcenhungrigen und nicht nachhaltigen Agrarindustrie ermöglichte.“

Die These von der kalten Sonne läuft in etwa darauf hinaus, dass die Phasen eines besonders warmen Klimas mit Superzyklen großer Sonnenaktivität korrelieren (das dürfte sogar ziemlich unstrittig sein), und das die Zeit des Klimawandels in einem solchen Sonnenzyklus falle (das ist schon strittiger und spricht zudem nicht gegen weiteren menschlichen Einfluss). Nun muss man keinesfalls die Existenz eines menschengemachten Klimawandels leugnen, sollte das nicht, die Daten sind relativ eindeutig. Dass allerdings eine Überlagerung von Zeiten hoher Sonnenaktivität mit der industriellen Moderne, in der CO2 als Treibhausgas agiert, einen Klimawandel anheizen könnte, der in dieser Stärke beim nächsten Minimum nicht mehr stattfinden muss, sollte man als Gedanken zumindest zulassen. Insbesondere, und nur darum geht es mir, wenn man für einen Text zu einem Phänomen, das als Lokales so einfach nicht pauschal als „Folge des (menschengemachten) Klimawandels“ deklariert werden kann, einzig und allein ein paar empirische Brocken heran schafft, die dann noch eher dazu taugen, die Gegenthese zu stützen. Warum diskutiert man die Gegenthese nicht, zeigt warum sie falsch ist, verwirft sie? Sind Leser ideologisch heute so verbohrt, dass sie diesen Mangel in der Argumentation nicht einmal mehr feststellen?

Ich weiß, ich weiß…

Ebenfalls tolle Beispiele für sich selbst widerlegende Texte findet man in Massen bei Novo-Argumente. Man sehe sich auch meine Kommentare an:

Donald Duck: Ein Raucher wird 80

Udo Jürgens: Von Mimosen und Weicheiern

Meinungsfreiheit: Mein Kampf für alle

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