Die Schlafwandler von Hermann Broch

Hörempfehlung zu Silvester/Neujahr

Hermann Brochs mittlerweile beinahe vergessenen Roman, der die Zeit von der Jahrhundertwende bis Ende des Ersten Weltkriegs vielschichtig nachvollzieht, dabei ein gutes Gespür für jene Geisteshaltungen beweisend, die später den Nationalsozialismus möglich machen, gibt es passend zum Jahreswechsel zwischen den beiden großen „Gedenkjahren“ als kostenlose Hörspielbearbeitung im Pool des bayerischen Rundfunks. Der Text, so die Wikipedia

„gehört zu den wichtigsten Werken des europäischen modernen Romans und wird oft in eine Reihe gestellt mit Joyce‘ Ulysses, Heinrich Manns Kaiserreich-Trilogie, Thomas Manns Zauberberg, Döblins Berlin Alexanderplatz, Musils Mann ohne Eigenschaften, Dos Passos Manhattan Transfer und Gides Les Faux-monnayeurs. “

Anhand der Hörspielfassung lässt sich das nur bedingt nachvollziehen. Tatsächlich zerfällt, während die Werte des konservativen Bürgertums mehr und mehr vom einen Wert des ungehinderten Tausches unterminiert werden, dem im zweiten Teil des Romans sich alle Handlungen unterordnen, auch die im ersten Teil noch sehr traditionelle Struktur. Im dritten Teil, da in der revolutionären Situation zum und nach Ende des Ersten Weltkriegs die Hauptcharaktere sich nur noch um ihr persönliches Überleben sorgen und sich Führersehnsucht und Bandenherrschaft am Horizont abzeichnen, ist Die Schlafwandler ein Panoptikum nur lose miteinander verknüpfter einzelner Szenen. Traum und theatralische Inszenierung fordern immer mehr Raum in der Handlung. Allerdings, das ist einschränkend festzustellen, sind die strukturellen Experimente dem Erzählerischen größtenteils äußerlich. Innerhalb der zusehends fragmentierten Kapitel findet sich wenig von der Kühnheit eines Ulysses, berichtet wird, wie man es von Fallada und anderen Naturalisten auch erwarten könnte.

In jedem Fall aber ist die Hörspielinszenierung von BR ein Genuss, insbesondere der geschickt montierte dritte Teil Huguenau oder die Sachlichkeit.

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