Splitter: Russland, Mindestlohn, Jugoslawienkrieg

I

So wenig es den europäischen Schreibtischstrategen gefallen mag: Die russische Außenpolitik setzt geschickt fort, was seit den neunziger Jahren bei der Zerlegung Jugoslawiens vorexerziert wurde. Damals war es vor allem Deutschland, das jeden noch so radikalen völkischen Nationalismus durch frühzeitige Anerkennung befeuerte, darunter auch das von Nachfolgern der faschistischen Ustascha geführte Kroatien.
Dass jede sogenannte Ethnie das Recht auf einen eigenen Staat haben soll war die idiotische Idee hinter der „Balkanisierung“, die einst unter aufgeklärten Menschen einen negativen Klang hatte. Wenn nun Russland die gleiche Strategie gegen einen Westen in Anschlag bringt, in dem die Vorstellung ein Volk = ein Staat eher stärker als schwächer geworden ist, wenn am Ende Putin und die bayerische Separatisten gegen Merkel-Deutschland stehen, wird man da redlicher Weise wenig gegen sagen können. Denn um dem etwas entgegenzusetzen, hätte man sich auf das aufklärerische Ideal der Einen Menschheit zu beziehen, das man längst verraten hat.

II

Als Sanktionen gegen Russland und Krieg in der Ukraine, sowie die Tatsache, dass Deutschland seine innereuropäischen Exportmärkte zu Tode gespart hatte, letztes Jahr auf das sowieso geringe Wirtschaftswachstum drückten, machte man den noch nicht existierenden Mindestlohn dafür verantwortlich.
Dieses Jahr liest man wieder Jubelmeldungen über wachsende Wirtschaft und Exportweltmeisterschaft, aber eine Meldung nach dem Motto „Aufschwung wegen Mindestlohn“, habe ich noch nicht entdeckt.

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2 thoughts on “Splitter: Russland, Mindestlohn, Jugoslawienkrieg

  1. Komisch…. vor 20 Jahren galt die Ustascha dem deutschen Nationalsozialismus nahe stehend, da den kroatischen Juden,- und Serbenmördern der italienische Faschismus zu luschig und selbstgenügsam war, ich kann also dem Unsinn auf Wikipedia nicht zustimmen. Dafür steht auch daß es, neben Slowenien, die Genscher-BRD und nicht Italien war, die das heutige Kroatien zuerst politisch anerkannte.

    Übrigens war Tuđman („das von Nachfolgern der faschistischen Ustascha geführte Kroatien“) ganz und gar kein Ustascha-Anhänger: „Ab 1941 nahm er aktiv als Partisan an der antifaschistischen Bewegung teil. Noch während des Jugoslawischen Bürgerkrieges wurde er zu einem der Repräsentanten im Führungsstab der nationalen Befreiungsarmee (NVO) und der Bewegung für die Befreiung Jugoslawiens (POJ) ernannt.“ (behauptet zumindest eben die Wikipedia, das wird aber schon stimmen)

    • Sorry für die unglaublich späte Antwort, hab es jetzt doch einfach verpennt. Ist die Kritik dahingehend gemeint, dass man Nationalsozialismus und Faschismusschärfer unterscheiden müsste? Sehe ich auch so, der Text war etwas rasch heruntergeschrieben, ich werde das nun nicht ändern, damit Leser die Diskussion nachvollziehen können.
      Oder geht es auch darum, dass aus der Ustascha keine Verbindungen in die Zeit Tudmans existieren? Dahingehend scheinen mir die auf Wiki genannten Quellen eigentlich recht glaubwürdig. An ähnliches erinnere ich mich dunkel auch aus Artikeln früherer Zeit aus dem Bahamas Umfeld. Aber auch hier müsste der Text womöglich stärker differenzieren. Ustascha- Anhänger kehrten teils zurück in Amt und Würden und prägten durchaus das politische Klima mit.

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