Grass, International

Dass einige meiner liebsten Autoren, Pynchon etwa, Rushdie, Günther Grass bis vor kurzem unter die größten lebenden Schriftsteller zählten, befremdete mich wie wenig anderes im Literaturbetrieb. Vielleicht aber gibt es eine einfache Erklärung. Die Grassschen Manierismen, seine bemühte Modernität, dürften etwa ins Englische kaum zu übertragen sein. Vielleicht ist ein angelsächsischer entschlackter Butt tatsächlich jener große Roman, der es mit Schwergewichten wie Hundert Jahre Einsamkeit aufnimmt…

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Von Aufklärung und Barbarei in der Karibik

Alejo Carpentiers Explosion in der Kathedrale („El sieclo del Luz“)

Über Explosion in der Kathedrale von Alejo Carpentier schreibt ein Amazonrezensent: „Der Text rechnet sehr scharf mit den utopischen Ideen des Sozialismus ab, eine Anspielung auf die Situation im Heimatland Kuba des Autors“. Das wäre an sich nicht weiter bemerkenswert, reihte es sich nicht in eine Reihe von Äußerungen in den letzten Jahren ein, die kurzerhand den Terror der französischen Revolution einem diffusen Sozialismus zuschlagen, und über die etwa in Hannah Ahrends Elemente und Ursprünge Totaler Herrschaft ausgearbeiteten totalitären Tendenzen bürgerlicher Herrschaft hinweggehen.

Genau das macht Carpentiers faszinierender Roman über den Import der französischen Revolution in die karibischen Kolonien nicht. Im Original „El sieclo del Luz“ betitelt, also „das Jahrhundert des Lichts“, zeichnet der Text ein vielschichtiges und Ambivalentes Bild der realen Fortschritte und Freiheiten sowie der barbarischen Schreckensherrschaft, die die Revolution den sogenannten „West-Indies“ brachte:

„Ja, wir haben auch die Maschine [die Guillotine] mitgenommen. Aber weißt du, was ich den Menschen der neuen Welt überbringen werde?“ Er hielt einen Augenblick inne und setzte dann, jedes einzelne Wort betonend, hinzu: „den Erlass vom 16. Pluviôse des Jahres II, durch den die Sklaverei abgeschafft wird. Von jetzt an gelten, ohne Unterschied der Rasse, alle in unseren Kolonien wohnenden Menschen als französische Bürger und sind absolut gleichberechtigt.“ (S.135)

Nachgezeichnet wird, um mit Adorno zu sprechen, eine Dialektik der Aufklärung in all ihrer Konsequenz, und obwohl dieser Dialektik als aufklärerische Ideologie auch der Sozialismus anheimfällt, ist er explizit nicht Thema von Explosion in der Kathedrale. Ja, im Text einen Schlüsselroman auf das moderne Kuba zu sehen negiert dessen literarische Qualität beinahe in Gänze und reduziert die als Akteure ihrer Geschichte auftretenden bürgerlichen Subjekte der Kolonien ebenso wie die Arbeiter und Sklaven zu Chiffren, wofür es auf knapp 400 Seiten keinen einzigen gerechtfertigten Anlass gibt.

Im Gegenteil: Die Markierung des Revolutionsführers Huguet als Händler und Bäcker, dessen Flammender Eintritt für den Freihandel und gegen die Macht der Monopole weisen das Jahrhundert des Lichts klar als bürgerliches aus. Ikonographisch sehr deutlich wird das in der oppulenten, mehrfach auch Nietzsche anklingen lassenden, Schilderung einer Hinrichtung, in deren Umfeld sich rasch ein reges Jahrmarktsgeschehen entfaltet:

„Hier kannte man dergleichen nicht; noch nie hatte man eine allen offenstehende Bühne gesehen, und deshalb entdeckten die Menschen in diesem Augenblick das Wesen der Tragödie. Das Schicksal war schon gegenwärtig, seine Schneide in der Schwebe halten, unerbittlich und pünktlich, denen aufgelauernd, die sich hatten verleiten lassen, die Waffen gegen die Stadt zu erheben. Und der Geist des Chors war in jedem Zuschauer lebendig, mit den Strophen und Gegenstrophen, die man einander über das Gerüst hinweg zurief (…) Man hörte einen feierlichen Trommelwirbel, dass bewegliche Brett wippte unter dem Gewicht eines korpulenten Mannes, und das Beil fiel herab, begleitet von einem erregten Aufschrei. Minuten später waren die zwei ersten Hinrichtungen vollzogen (.) Dann aber gingen viele, um sich von dem Schrecken zu befreien, der sie in Bann geschlagen hatte, plötzlich zu lärmender Festlichkeit über, die diesen Tag, der jetzt als arbeitsfrei galt, in die Länge ziehen sollte. Man musste die zum ersten Mal angelegten Kleider zeigen. Man musste etwas tun, was gegenüber dem Tod eine Bestätigung des Lebens darstellte … “. (S. 163. ff)

Günter Grass ist tot…

…und wenn man über einen Toten nichts Gutes zu sagen hat, heißt es, so solle man besser schweigen. Da allerdings die ersten lobhudelnden Nachruf bereits online gegangen sind sei hier als Kontrapunkt auf das leider lange nicht mehr aktualisierte Blog Junesixon verwiesen, wo in der Vergangenheit viel Kluges zum Autoren und seinem Werk geäußert wurde. Etwa zur Blechtrommel.

Splitter: Russland, Mindestlohn, Jugoslawienkrieg

I

So wenig es den europäischen Schreibtischstrategen gefallen mag: Die russische Außenpolitik setzt geschickt fort, was seit den neunziger Jahren bei der Zerlegung Jugoslawiens vorexerziert wurde. Damals war es vor allem Deutschland, das jeden noch so radikalen völkischen Nationalismus durch frühzeitige Anerkennung befeuerte, darunter auch das von Nachfolgern der faschistischen Ustascha geführte Kroatien.
Dass jede sogenannte Ethnie das Recht auf einen eigenen Staat haben soll war die idiotische Idee hinter der „Balkanisierung“, die einst unter aufgeklärten Menschen einen negativen Klang hatte. Wenn nun Russland die gleiche Strategie gegen einen Westen in Anschlag bringt, in dem die Vorstellung ein Volk = ein Staat eher stärker als schwächer geworden ist, wenn am Ende Putin und die bayerische Separatisten gegen Merkel-Deutschland stehen, wird man da redlicher Weise wenig gegen sagen können. Denn um dem etwas entgegenzusetzen, hätte man sich auf das aufklärerische Ideal der Einen Menschheit zu beziehen, das man längst verraten hat.

II

Als Sanktionen gegen Russland und Krieg in der Ukraine, sowie die Tatsache, dass Deutschland seine innereuropäischen Exportmärkte zu Tode gespart hatte, letztes Jahr auf das sowieso geringe Wirtschaftswachstum drückten, machte man den noch nicht existierenden Mindestlohn dafür verantwortlich.
Dieses Jahr liest man wieder Jubelmeldungen über wachsende Wirtschaft und Exportweltmeisterschaft, aber eine Meldung nach dem Motto „Aufschwung wegen Mindestlohn“, habe ich noch nicht entdeckt.

Zeit & Jungle: Die Abwehr gegen das geschlossene Werk…

Zu den Nachrufen auf den „magischen Realismus“

Im Abgesang auf den magischen Realismus, in den neben der Jungle World nun auch die Zeit einstimmt, verschafft sich wohl vor allem die instinktive Awehr gegen das seit jeher kritisch beäugte abgeschlossene Werk ausdruck. Jenes konfontiert und transzendiert die heterogene Welt in seiner zum äußersten getriebenen, über innere Widersprüche nicht schweigenden formalen Konsequenz, und brüskiert so oft genug den Leser, der sich gern im doch kaum zu Ertragenden ganz gemütlich einrichten würde. Magischer Realismus, das war fürs Feuilleton immer schon nur der Name, mit dem exotisierend alle nicht europäischen und insbesondere lateinamerikanischen Versuche belegt wurden, schöpferisch an die nie abgegoltenen Ideale der europäischen Moderne anzuschließen. Eine Reflexion darauf, was magischer Realismus eigentlich sei, ich zitiere aus einem älteren Aufsatz

„Dabei ist der Begriff, nutzt man ihn reflektiert und klebt ihn nicht einfach auf alles was nicht klingt wie Heinrich Böll, sehr treffend für eine Art zu schreiben, in der das Übernatürliche als Handlungselement in Erscheinung tritt und gleichzeitig als Metapher fungiert“,

findet nicht statt. Das von der Zeit gewählte Titelbild führt es eindrücklich vor Augen. Eine junge Frau liest Memoria de mis putas tristes von Gabriel Garcia Marquez. Ein Roman, dem absolut jeder „magische“ Aspekt abgeht, vielmehr handelt es sich um eine recht erbärmliche, vorgeblich realistische Alltherrenphantasie. Ebenso wie diesen Text schlägt man gerne das gesamte Werk von Mario Vargas Llosa dem magischen Realismus zu, obwohl kein einziger Text des Autors je an der Definition auch nur kratzt. Das gleiche gilt übrigens für die Mehrzahl der Werke von Alejo Carpentier. In jener exotisierenden Form, die das Feuilleton in ihm sucht(e), kann der Magische Realismus also gar nicht sterben, er lebte nie. Auf der anderen Seite ist er in den Werken so unterschiedlicher Autoren wie Rushdie, Pynchon, Gaiman, Ben Okri und anderer lebendig wie je. Nicht zu überraschen vermag dann auch, dass Sarah Murrenhoff in der Zeit sich nicht fähig erweist, Textbeispiele zu nennen, die mit der Tradition des lateinamerikanischen Boom deutlich brechen. Der Diktatorenroman:

„[Daniel Alarcóns] Roman Lost City Radio (2007) ist eine Parabel auf die Grausamkeit totalitärer Herrschaft, wie sie in Lateinamerika, aber auch an jedem anderen Ort der Welt aufgetreten ist oder auftreten könnte“

etwa wurde in unzähligen Variationen von magisch-realistisch (Bastos, Marquez) bis betont nüchtern (Llosa) schon von den Alten Meistern erprobt. Auch die Kurz- und Kürzesterzählung, nicht zu verwechseln mit jener literarischen Arbeitsverweigerung, die sich „Kurzgeschichte“ schimpft, hat lange Tradition. Carpentier und Llosa schufen frühe Meisterwerke, Bolano legte mehrere Bände mit Erzählungen vor, die auf wenigen Seiten ganze Romane kondensieren, und sein 2666 verknüpft im vierten Teil hunderte solcher Geschichten zu einem Ganzen. Und dann wäre da natürlich noch Jose Luis Borges…

Nun möchte ich keineswegs behaupten, es lohne nicht, die genannten neuen Autoren, die ich größtenteils noch garnicht kenne, zu lesen. Aber diese ewige Inszenierung eines radikalen Bruchs mit einem noch dazu kaum begriffenen Gegenstand taugt weder, sich dem Neuen in kritischen Bezug auf seine Traditionen verstehend anzunähern, noch zu einer adäquaten Beschäftigung mit dem sogenannten Magischen Realismus. Der eben auch kein vor allem lateinamerikanisches Phänomen ist. Noch einmal aus einem alten Text:

„Ist es nicht deutlich sinnvoller Texte die sich derartiger Stilmittel [s.o.] bedienen als magischen Realismus zu qualifizieren, und bei Bedarf eben auf die Unterschiede hinzuweisen, die dann doch Hundert Jahre Einsamkeit, Gogols Dikanka-Zyklus und z.B. Thomas Manns Joseph-Romane ( Ja, die Joseph-Romane!) trennen? “

Europolitik: Ein Loch ins Boot, damit das Wasser ablaufen kann!

Und: Enthüllt. Neoliberale Unternehmerfeindlichkeit.

Eine kleine Segelyacht ist von einer gewaltigen Welle überspült worden. Die eher unbedarften Seefahrer strengen ihre grauen Zellen an, was zu tun sei, und geraten schnell an die Lösung: „Wir hauen einfach ein Loch in den Rumpf, damit das Wasser ablaufen kann“.

Eine Fehleinschätzung, aber immerhin eine, auf die man gerechtfertigter Weise kommen könnte, wenn man die physikalischen Eigenschaften von Schiff und Wasser falsch einschätzt und keine Präzedenzfälle kennt. Austeritätspolitik in Krisenzeiten, also der volkswirtschaftliche Versuch in allen Sektoren zu sparen, ist ein solches Loch. Läuft zusätzliches Wasser ein, stopft man es halt.

Oder nicht. Denn wir kennen Präzedenzfälle: So richtig soff die Wirtschaft der Weimarer Republik erst ab, als staatliche Kürzungen der Nachfrage in einer sowieso krisenhaften Phase einen weiteren Dämpfer versetzten. Als Unternehmen entsprechend weniger investierten, denn wer sollte die Waren kaufen?*1 Und als sich entsprechend jene deflationären Spirale in Gang setzte, die in der deutschen kollektiven Erinnerung gern durch die Hyperinflation von 1922 substituiert wird.

Die USA und Großbritannien, die auf contrazyklische Investitionsprogramme setzten, wuchsen. Und dennoch soll in Europa seit 2008 mehr vom falschen Gleichen helfen.

***

Das überspülte Schiff sinkt rasch. Aus dem selbst erzeugten Leck strömt Meerwasser. Unsere Seefahrer sind uneinsichtig. Sie schlagen ein zweites, ein drittes Leck, je schlimmer es wird desto größere Lecke schlagen sie. Ein solches Vorgehen charakterisiert auch die von Deutschland maßgeblich bestimmte Politik der Eurozone, die allein angesichts der Erfahrungen mit der „Griechenland-Rettung“, die seit den ersten Rettungsmaßnahmen und Kürzungen im öffentlichen Sektor von etwa 20 % einen Anstieg des Schuldenstandes von 140 auf 180 % des BIP registrierte, es besser wissen sollte.

Dabei wachsen die interventionistischen Staaten, darunter wieder das Mutterland des Kapitalismus USA, vergleichsweise solide. Und irgendwen müsste es doch noch geben, der sich an Reichskanzler Brüning*2 erinnert.

Aber nein: während unseren wackeren Seeleuten langsam das Wasser bis zum Hals steht, kaprizieren sie sich zunehmend auf Flüchtlingspolitik und Fremdenfeindlichkeit, und rufen immer lauter: „das Boot ist voll!“ Keine Angst. Wenn ihr so weiter macht will bald sowieso niemand mehr mit euch segeln gehen.

***

*1 Merke: der Austeritätspolitiker hält den Unternehmer für einen Idioten. Er vertraut auf dessen Vertrauen, dass sich trotz sinkender Nachfrage höhere Investitionen lohnen. Hört zu, liebe Liberale: Austeritätspolitik ist ‚unternehmerfeindlich‘ und damit ‚wirtschaftsfeindlich‘.

*2 Darauf, dass dieser selbst übrigens keineswegs so dumm war, an den wirtschaftlichen Erfolg seiner Politik zu glauben, weist die Jungle World in einem Artikel zu den verheerenden Folgen der Europaanbindung der Ukraine hin:

„Heinrich Brüning, Reichskanzler zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre, schrieb später in seinen Memoiren über die von ihm eingeleitete »scheinbar planlose Deflationspolitik«, sie habe »die Welt zu einer Initiative für Streichung der Reparationen (…) zwingen« sollen. Er schrieb sich die Leistung zu, die Krise zur Senkung der Löhne und Sozialleistungen genutzt zu haben. Die Ziele des »Hungerkanzlers« waren die Revision des Versailler Vertrags und größere Handlungsfähigkeit beim »Drang nach Osten«.“

Das muss man sich vor Augen führen: Europa implementiert heute eine Politik, die mit dem Ziel der ökonomischen Selbstschädigung durchgeführt wurde und darin erfolgreich war, im Glauben daran, dass diese tatsächlich wirtschaftlich geboten sei!

Verrohung am Beispiel der Achse des Guten

Oder: Für die Nachwelt aufzubewahren. Empirisches Anschauungsmaterial zur Dialektik der Aufklärung.

Dass der klassische aufklärerische Liberalismus, da ihm längst jede gesellschaftliche/ökonomische Grundlage fehlt, eine heute allerhöchstens immer mal wieder aufflackernde fragile Haltung sein kann, wurde hier schon dargelegt. Ebenso, dass der real existierende Liberalismus im Großen und Ganzen eine Tendenz aufweisen muss sich zum Erhalt seiner ideologischen Grundlagen mit konservativen und reaktionären Kräften zu verbünden oder sozialdemokratisch im Sozialliberalismus aufzugehen, dass er also auf die Selbstliquidation drängt.

Gewiss kann man sich auch eine Zeit lang als einsamer Rufer in der Wüste gerieren, doch wird man dessen irgendwann müde. Kein Wunder, der aufklärerische Liberalismus ist die Ideologie des revolutionären Bürgertums, die des siegreichen Bürgertums muss ab einem gewissen Moment mehrheitlich Besitzstandswahrend werden. Eine Aufklärung, die auf die ihr immanente Dialektik zu reflektieren verweigert (vgl.), selbst noch dort wo sie mit der Nase darauf gestoßen wird unterminiert sich selbst. Sie keult gegen die zersetzenden Kritiker und steht dann mit einem Bein schon im völkischen Lager.

Derartige Tendenzen sind seit Jahren nun auch auf dem erfolgreichen, erklärt liberalen, Webblog Die Achse des Guten zu beobachten. Diesem konnte man über längere Zeit den Kampf gegen Islamismus und grassierende Israelfeindlichkeit trotz eines schon immer etwas hysterischen Tonfalls im Großen und Ganzen abnehmen. So durchwachsen auch die Ergebnisse, der Versuch sich traditionell liberal und vernunftorientiert aufzustellen (und nicht etwa rationalitätskritisch neoliberal) durfte ernst genommen werden.
Doch was zu erwarten war, geschah: Die schrillen Pöbler, die Angstbeißer, der elitäre Mob gewannen immer weiter an Raum, vorsichtigere Stimmen zogen sich teils in wortgewaltigen Rückzugsgefechten (Kaufmann gegen Pirincci) zurück, stahlen sich teils auch in aller Stille davon. Die generelle Tendenz der Achse kritisiert nun mit Miteigentümer Michael Miersch auch ein Autor, den man schon nicht mehr wirklich zu den Florettfechtern des Kantschen Denkmodells zählen kann, ein gemäßigter Rammbock den (und dessen bessere Hälfte) Felix Bartels vor kurzem im Neuen Deutschland übrigens ganz schön zerpflückt hat. Diese Miersch erklärt nun seinen Abschied von der Achse des Guten, und begründet:

„Das politische Spektrum in Deutschland verengt sich auf zwei Pole: Die, die ein Problem mit dem Islam abstreiten und am „Elefanten im Zimmer“ vorbei gucken. Und die, deren Antwort auf die islamische Herausforderung lautet: Scharen wir uns um Kreuz und Fahne und verteidigen wir unsere deutsche Identität. Liberale und differenzierte Positionen werden davon überrollt. Kürzlich schrieb eine Leser: „Das Traurige ist für mich, dass es weder eine linke Gesellschaftsströmung von irgendeiner Relevanz gibt, die mit einem aufklärerischen Impuls Massen begeistert, noch eine konservative Strömung, die die westlichen Werte populär verteidigen kann. Links hat sich als esoterisch-evangelisches Beamtentum etabliert, rechts als besserverdienendes Ignorantentum.“ Diese Kurz-Analyse bringt es auf den Punkt. “

Und:

„Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass massenweise Leser aus dem AfD-Pegida-Umfeld angezogen wurden, die sich auf den Leser-Kommentarseiten der Achse entfalten. Viele dieser Leser-Kommentare können wegen ihrer Wortwahl und ihrem offenen zu Schau getragenen Hass gar nicht erst veröffentlicht werden. Sie verhöhnen Autoren wegen ihrer nicht deutsch klingenden Namen und wüten gegen alles, was nicht in ihr geschlossenes Weltbild passt.

Im Laufe meines Journalistenlebens habe ich viele Hass-Mails bekommen (vornehmlich von Islamisten, Tierrechtlern und Öko-Fanatikern). Die Mails der vergangenen Monate haben deren aggressive Geistesarmut noch unterboten. Das ist eine schmerzliche Entwicklung. Zumal gerade die Achse sich zuvor durch viele differenzierte und kenntnisreiche Leser-Kommentare auszeichnete. Ich bekam auch einige (aber im Verhältnis zu Welle der Hass-Mails wenige) E-Mails von Lesern, die sich um den Kurs der Achse Sorgen machen. Allerdings meist mit dem Vermerk, sie nicht als Leser-Kommentare zu veröffentlichen, weil man sich nicht beschimpfen und anpöbeln lassen möchte. Darunter auch welche von Lesern aus Dresden, die die Sympathie einiger Autoren für die dortigen Abendland-Demonstranten nicht fassen konnten“.

Das dürfte es für die weitreichendste liberale Publikation im deutschsprachigen Raum dann endgültig gewesen sein. Einen ähnlichen Weg gingen schon das einst lesenswerte Webblog Zettels Raum, mit dem ich zwar selten übereinstimmte, das aber immer wieder klug argumentiert interessante Perspektiven aufzeigte und die liberale Zeitschrift Novo-Argumente, die Verfasser kritischer Kommentare mittlerweile gern auch mal beschimpft.

Angesichts des weiteren Niedergangs von allem, was sich noch liberal nennt, stellt sich eigentlich nur noch eine entscheidende Frage:

Was wird nun bloß aus Dirk Maxeiner werden?

Mehr zur Achse.