Sonntagsgesellschaft

Zuletzt habe ich für die Sonntagsgesellschaft wieder ein paar Artikel veröffentlicht. Vor knapp vier Jahren hatte ich das Blog zusammen mit einem Bekannten begonnen, kurzfristig waren wir auf dem Papier sogar zu dritt. Da an mir aber bei weitem die Hauptarbeit hängen blieb, und das Interesse der Leserschaft kaum in einem sinnvollen Verhältnis zum Aufwand stand, hatte auch ich die Tätigkeit irgendwann Anfang letzten Jahres eingestellt, ohne das hier so zu verlautbaren. Weniger als die mangelnde Reichweite waren daran aber wohl eigene Faulheit, zeitweiliges Desinteresse und die leidige Lohnarbeit schuld.

Doch sich intensiv mit einem Thema, einem Gegenstand, auseinanderzusetzen, drängt eigentlich mit aller Gewalt nach Verschriftlichung. Erst wenn man sich so selbst gegenübertritt fallen die vielen kleinen Ungenauigkeiten, die Kurzschlüsse und Abkürzungen auf, und können, wo man ehrlich ist mit sich selbst, abgestellt werden. Das Schreiben habe ich also nie ganz gelassen, warum dann nicht auch wieder das ein oder andere veröffentlichen?

Nach einigen eher hingerotzten Artikeln der letzten Wochen steigerte sich zu meiner Überraschung das Leseraufkommen von den paare verirrten Seelen, die immer noch alle Tage einmal vorbeischauten, im Schnitt auf das drei- bis Zehnfache. Grund genug, wieder regelmäßiger zu publizieren. Damit ich mich dabei nicht verzettle, versuche ich Intervalle von etwa ein bis zwei Wochen einzuhalten, und werde in Zukunft weniger ausgearbeitete Analysen (vor allem aber nicht nur literarischer Texte wie hier und hier), sondern öfter mal den ein oder anderen Denkanstoß, kurze Ausarbeitungen, die sicherlich noch weiter gedacht werden sollten, sowie die ein oder andere Auseinandersetzung mit interessanten Fundstücken aus dem Web posten. Vielleicht wird es daneben auch, wenn ich ganz faul bin, mal die eine kommentierte oder unkommentierte Linksammlung geben. Tagespolitische Kommentare könnten dazu kommen, wenn mich etwas wirklich annervt, und sollte mir sonst überhaupt nichts mehr einfallen werde ich ein wenig auf Richard Herzinger herumprügeln…

… Das habe ich für die Sonntagsgesellschaft öfter getan, als ich dachte, eine Durchsicht älterer Beiträge brachte das ans Licht. Warum? Ich denke weil Herzinger von allen klassisch aufklärerischen „Verteidigern des Abendlandes“ jener ist mit dem schärfsten Verstand. Oft kommt er in seinen Beiträgen der selbstzerstörerischen Dialektik einer unreflektierten Aufklärung bedrohlich nahe. So eignet er sich zum Gegenstand der Kritik, während man viele andere liberale Vordenker einfach nur in die Tonne kloppen kann.

Zuletzt: Apropos ältere Beiträge. Ich habe vor einiges von dem, was ich in den letzten Jahren geschrieben habe noch einmal heraus zu graben, und vorsichtig zu aktualisieren. Ziel ist es dabei nicht etwaige Passagen, mit denen ich nicht mehr übereinstimme, radikal umzuschreiben oder zu streichen. Stattdessen werde ich einzelne Aspekte die ich übersehen habe hinzufügen, manche Texte vielleicht mit einer Einleitung versehen, und ansonsten Fehleinschätzungen, die ich vielleicht einmal aus guten Gründen gemacht habe, stehen lassen. Wenn ich die schwächen meines eigenen Textes durchschauen kann, vielleicht sogar daraus lernen, dann können es auch andere.